Grünes Gewölbe: Diebstahl mit Happy End

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Man muss ja nicht einmal Sachse sein, um zu begreifen, welches Weihnachtswunder da geschehen ist. Es reicht ein Sinn für Schönheit, Pointen und eine kleine Ladung Kitsch. Also, Vorhang auf: Vorige Woche, in einer eiskalten Nacht, konnten Dresdner Polizisten in Berlin einen größeren Teil jener Juwelen sicherstellen, die vor drei Jahren aus dem Grünen Gewölbe ihrer Stadt gestohlen wurden. Der Einbruch in die Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige war einer der spektakulärsten Museumsraubzüge überhaupt, höchstwahrscheinlich begangen von Mitgliedern der Berliner Großfamilie Remmo. Ein Schauer beschleicht einen bis heute angesichts der finsteren Überwachungsvideos der Tat: Vermummte mit Hackebeil, auf eine Vitrine eindreschend. Danach fehlte Schmuck mit einem Versicherungswert von 113 Millionen Euro.

Dass viel davon nun wieder in Dresden weilt, ist ein Erfolg der Ermittler: Sie haben die mutmaßlichen Täter aufgetrieben, vor Gericht gebracht – und dort für einen derart hohen Beweisdruck gesorgt, dass die Angeklagten wohl einen Deal eingingen. Sie verrieten, wo die Juwelen sind.

Und auch wenn diese unvollständig, deutlich ramponiert und restaurierungsbedürftig sein sollen: Ist diese ganze Geschichte nicht auch schon wieder Kunst – jene, die das Leben produziert? Da kehren Juwelen heim, die ewiglich verloren schienen. Da fahren Dresdner Polizisten in jene Hauptstadt, in der manche Sachsen sowieso den Quell allen Übels vermuten, und bekommen in der Anwaltskanzlei eines arabischen Clans die Edelsteine ihres stolzen, prunksüchtigen Herrschers zurück, der vor fast 300 Jahren verblichen ist.

Das allein ist bereits gebrüdergrimmiger, als der böse Wolf erlaubt. Doch die Euphorie erklärt es noch nicht: Selbst jene Sachsen, die nie im Grünen Gewölbe waren, fühlen ja plötzlich eine diamantene Hoch-Zeit. Das ist, letztlich, ein Beweis: Kunst, Kultur und Geschichte sind halt wichtig. Sie sind der Boden von Identität – ob man viel davon weiß oder nicht. Wofür stehen wir, und besitzen wir nicht eigentlich ganz schön viel? Manchmal hilft sogar ein Diebstahl mit Happy End, sich so etwas bewusst zu machen. Und die Sachsen, durchaus ein renitentes Völkchen, sind eh viel romantischer, als sie es sich selbst eingestehen.