Neuer US-Kongress: Warum für Biden das Regieren ab jetzt schwerer wird

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Neuer US-Kongress Warum für Biden das Regieren ab jetzt schwerer wird

In der zweiten Hälfte seiner Amtszeit droht US-Präsident Joe Biden kräftiger Gegenwind aus dem US-Kongress

In der zweiten Hälfte seiner Amtszeit droht US-Präsident Joe Biden kräftiger Gegenwind aus dem US-Kongress

© Jim Watson / AFP

Nach den Parlamentswahlen im November treffen sich die beiden Kammern des US-Kongresses erstmals in ihren neuen Konstellationen. Für Präsident Joe Biden wird sich nun einiges verändern. 

Inhaltsverzeichnis

Der neue US-Kongress versammelt sich am 3. Januar zu seiner konstituierenden Sitzung. Nach den Zwischenwahlen vom 8. November hat sich die parlamentarische Landschaft deutlich verändert und die neue Mehrheit der oppositionellen Republikaner im Repräsentantenhaus dürfte US-Präsident Joe Biden das Regieren erheblich erschweren. Auf die Regierung kommen zudem öffentlichkeitswirksame Untersuchungen und womöglich sogar Amtsenthebungsverfahren zu. Ein Überblick:

Wie sind die Mehrheitsverhältnisse im neuen US-Kongress?

Bei den sogenannten Midterms entrissen die Republikaner den Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus. Das Ergebnis fiel aber viel knapper aus als erwartet: Die Konservativen stellen künftig eine Mehrheit von 222 der 435 Abgeordneten, die Demokraten gewannen 213 Sitze.

Im Senat konnten die Demokraten ihre hauchdünne Mehrheit dagegen verteidigen und sogar leicht ausbauen: Sie stellen künftig 51 der 100 Senatoren. Zwar sorgte die Senatorin Kyrsten Sinema in der Folge mit der Ankündigung für Aufsehen, die Demokraten zu verlassen und fortan als unabhängige Senatorin zu firmieren; bislang scheint sie aber grundsätzlich weiter mit den Demokraten zusammenarbeiten zu wollen. Sie wird auch weiterhin für die Demokraten in Senatsausschüssen sitzen.

Was bedeuten die neuen Mehrheiten für Gesetzesvorhaben?

Für Präsident Biden wird es jetzt noch schwieriger, Gesetze durch den Kongress zu bekommen. Die Republikaner können mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus alle Reformvorhaben blockieren. Schon in seinen ersten zwei Amtsjahren hatte Biden große Probleme bei seiner Reformagenda, weil die Republikaner im Senat über eine Sperrminorität verfügen. Der Verlust des Repräsentantenhauses bedeutet für Biden eine weitere, sehr hohe Hürde.

Politisch bedeutende Reformen, etwa des Abtreibungs- oder Waffenrechts, dürften im Kongress jetzt kaum noch Chancen haben. Bei vielen anderen Gesetzestexten, etwa den jährlichen Haushaltsgesetzen, einigen sich die Parteien für gewöhnlich auf Kompromisse, auch wenn es dabei immer wieder zu erheblichen Reibungen kommt.

Welche Untersuchungen planen die Republikaner?

Mit der Kontrolle über das Repräsentantenhaus können die Republikaner zahlreiche parlamentarische Untersuchungen gegen Biden und dessen Regierung einleiten – eine scharfe politische Waffe. Themen werden unter anderem der chaotische Abzug aus Afghanistan, die Lage an der Grenze zu Mexiko und eine angebliche politische Instrumentalisierung des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI sein. 

Die Republikaner wollen auch die geschäftlichen Aktivitäten von Bidens Sohn Hunter unter die Lupe nehmen. Sie werfen dem 52-Jährigen vor, in der Vergangenheit die wichtige politische Position seines Vaters für Geschäfte in der Ukraine und in China ausgenutzt zu haben.

Einige Abgeordnete vom Rechtsaußen-Flügel der Republikaner fordern sogar Amtsenthebungsverfahren gegen Biden oder Mitglieder seiner Regierung. Besonders im Visier ist dabei der für die Grenze zuständige Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas. Allerdings gilt: Selbst wenn es zu sogenannten Impeachments kommen sollte, würden diese letztlich im von den Demokraten kontrollierten Senat scheitern.

Wieso ist die Senatsmehrheit für Biden so wichtig?

Dass die Demokraten bei den Midterms ihre Senatsmehrheit verteidigen konnten, ist aus mehreren Gründen wichtig. Hätten die Republikaner die Kontrolle über beide Kongresskammern gewonnen, hätten sie eine Reihe von Gesetzen verabschieden können, die Biden dann mit einem Veto hätte verhindern müssen. Jetzt könnten die Demokraten Gesetzesinitiativen aus dem von den Republikanern kontrollierten Repräsentantenhaus schon im Senat beerdigen. Das erspart es Biden, die Veto-Waffe einzusetzen.

Die Senatsmehrheit ist aber insbesondere für die Besetzung von Posten in Regierung und Bundesjustiz wichtig. Der Präsident nominiert unter anderem die landesweit eingesetzten Bundesrichter, bestätigt werden müssen diese Personalentscheidungen vom Senat. Biden wird jetzt auch in den beiden nächsten Jahren seiner Amtszeit zahlreiche Richter ernennen können. Nicht auszuschließen ist auch, dass Biden nochmal einen vakant werdenden Posten am Obersten Gericht des Landes neu besetzen könnte.

mad / Fabian Erik Schlüter, AFP 

Source: stern.de