Unternehmen begeben Schuldscheine wie noch nie

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Mit 31 Milliarden Euro ist im vergangenen Jahr ein Emissionsrekord bei Schuldscheinen aufgestellt worden. Wie die Schuldscheinanalystin der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Barbara Ambrus, am Dienstag mitteilte, wurden die bisherigen Rekordjahre 2016, 2017 und 2019 (jeweils 27 Milliarden Euro) um 15 Prozent übertroffen. Das ausstehende Volumen an Schuldscheinen beträgt nach Angaben der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten Beratungsgesellschaft Capmarcon nun knapp 159 Milliarden Euro. Es ist seit dem Jahr 2018 um ein Drittel gewachsen.

Den größten Schuldschein im vergangenen Jahr hat der größte Autozulieferer der Welt, Robert Bosch , mit 1,5 Milliarden Euro begeben. Die Nummer drei unter den Autozulieferern, ZF Friedrichshafen, hat darüber 700 Millionen Euro aufgenommen. Prominente Emittenten waren zudem der Immobilienkonzern Vonovia (1 Milliarde Euro), das Chemieunternehmen Covestro (650 Millionen Euro), der Laborausrüster Sartorius (650 Millionen Euro) oder der Luxemburger Stahlkonzern Arcelor-Mittal (750 Millionen Euro).

Attraktive Risikoprämie

Der Schuldschein darf nicht mit einer Anleihe verwechselt werden: Während diese an Börsen notiert und dort gehandelt wird, ist das beim Schuldschein nicht der Fall. Dieser kann zwar an Investoren außerbörslich verkauft werden, aber das ist in der Regel mit einem größeren Aufwand verbunden. Aufgrund der geringeren Liquidität bietet der Schuldschein den Investoren deshalb einen etwas höheren Zinsaufschlag, als wenn sich das Unternehmen über eine Anleihe finanzieren würde. Nach Angaben von Capmarcon beträgt die Risikoprämie für Schuldscheine von guter Bonität („BBB“) gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe mehr als 250 Basispunkte. Der Schuldschein weist sowohl die Merkmale einer klassischen Anleihe als auch eines von mehreren Banken vergebenen Konsortialkredits auf. Dass keine Kurse regelmäßig festgestellt werden, hat für Investoren, insbesondere Banken, den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den Anleihen keine Bewertungsverluste ausweisen müssen.

LBBW-Expertin Ambrus erwartet im neuen Jahr eine Beruhigung am Schuldscheinmarkt, da sich viele Unternehmen nun finanziert hätten. Im vergangenen Jahren hätten zur regen Aktivität dieselben Faktoren beigetragen, die am Anleihemarkt für hohe Schwankungen gesorgt hätten: die erwartete Rezession, die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg, die deutlich gestiegenen Energiekosten sowie der Inflations- und Zinsanstieg.

Nach Beobachtung von Capmarcon hätten die hoch erwartete Inflationsrate, die verhaltenen Konjunkturaussichten und die Gefahr staatlicher Regulierung und Einflussnahme zwar auch die Konditionen von Schuldscheinen beeinflusst, aber weniger deutlich ausgeprägt als bei Anleihen. Deshalb sei der Schuldschein im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten attraktiver geworden.

An Bedeutung haben Schuldscheine mit Nachhaltigkeitsbezug gewonnen. Diese hätten mit 12,4 Milliarden Euro in 50 Transaktionen 40 Prozent zum Neuvolumen beigetragen, berichtete die LBBW-Analystin Ambrus. Das hat nach ihren Angaben das Vorjahresvolumen um mehr als das Doppelte übertroffen. Sie rechnet mit einem weiterhin hohen Wachstum der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Schuldscheine, weil diese auf Unternehmensseite eine unverändert hohe Aufmerksamkeit und zugleich auf der Investorenseite hohe Akzeptanz genießen. Capmarcon erwartet, dass Schuldscheine mit Nachhaltigkeitsbezug 2023 mehr als die Hälfte der Emissionen ausmachen werden.

Source: faz.net