Das ÖPNV-Chaos in deutschen Großstädten

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In Köln geht momentan oft gar nichts mehr: Berufspendler, die auf die Busse und Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe angewiesen sind, stehen teils 20 Minuten und länger an den Haltestellen; ratlos, weil die elektronischen Anzeigetafeln entweder nur wirre Angaben von 99 Minuten Wartezeit oder mehr ausweisen – oder gar nichts mehr anzeigen.

Vor ein paar Tagen dann kapitulierten auch die Social-Media-Verantwortlichen der Kölner Verkehrsbetriebe: Sie legten ihren Twitter-Account, der bislang Kunden über all die Fahrtausfälle informiert hatte, vorübergehend still. Es waren einfach zu viele geworden.

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In Köln dominiert das Chaos des öffentlichen Nahverkehrs derzeit die Nachrichtenlage. Auf einer Krisen-Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch erklärte die Leitung der Verkehrsbetriebe: Schuld sei eine Krankheitswelle bei den Fahrerinnen und Fahrern, die man so noch nicht gesehen habe – abgesehen von der Corona-Pandemie, in der aber ja kaum Fahrgäste unterwegs waren. Etwa jeder fünfte Fahrer sei zuletzt krank gewesen. Und leider habe man es nicht geschafft, Ersatz zu finden, sodass man nun in großem Stil die Fahrpläne zusammenstreichen müsse.

Köln ist allerdings bei Weitem nicht die einzige Großstadt, in der momentan kranke Fahrerinnen und Fahrer für heftige Ausfälle im öffentlichen Nahverkehr sorgen. Eine Abfrage dieser Redaktion bei den Verkehrsbetrieben der zehn größten Städte im Land ergab, dass die Lage fast überall ähnlich ist.

Krankenstand plus Fachkräftemangel

Die Münchener Verkehrsbetriebe etwa teilten mit, dort sei zuletzt bis zu jeder sechste Fahrer krank und somit nicht einsatzfähig gewesen. Mit der Folge, dass zehn Bus- und eine Tramlinie auf absehbare Zeit seltener fahren könnten. Nicht nur der hohe Krankenstand, auch Fachkräftemangel sei Schuld daran.

In Leipzig waren zuletzt bis zu 20 Prozent der 1200 für die Verkehrsbetriebe tätigen Fahrer krank – deutlich mehr als in Vor-Corona-Jahren. Die Folgen waren der Auskunft zufolge allerdings weniger drastisch als etwa in Köln. Etwa drei Prozent aller Fahrten seien zuletzt ausgefallen.

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In der Hauptstadt Berlin warnten die Verkehrsbetriebe BVG vor einigen Tagen, es könne „aktuell im gesamten Stadtgebiet zum Ausfall von Fahrten kommen“ – bei U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen. Schuld sei die Erkältungs- und Grippewelle. Wie viele Fahrer genau krank sind, verrät das Unternehmen trotz mehrmaliger Nachfrage nicht. Nur, dass er noch einmal gut drei Prozent höher liege als im Vergleichszeitraum 2019, also vor Corona. Wie viele Fahrten deshalb ausfallen mussten, teilt die BVG ebenfalls nicht mit.

Auch die Hamburger Hochbahn nennt zwar keine konkrete Zahl des Krankenstandes – nur so viel: Er habe zuletzt „rund zwei bis drei Prozentpunkte über dem Wert vergleichbarer Zeiträume in den Vorjahren“ gelegen, was zu leichten Ausfällen bei den Fahrten geführt habe. Man habe nun die Taktung leicht verringert, um auf die Ausfälle zu reagieren. Da die Fahrgastzahlen insgesamt jedoch die Vor-Corona-Zahlen noch nicht wieder erreicht hätten, sei der ausgedünnte Fahrplan für die meisten nicht spürbar.

Eingesprungene Verwaltungsmitarbeiter

In Düsseldorf, wo man in den vergangenen Wochen einen Krankenstand von bis zu 18 Prozent verzeichnete, konnte man die Ausfälle den Angaben der dortigen Rheinbahn zufolge vergleichsweise gut ausgleichen. Dort seien „Kolleginnen und Kollegen aus anderen Unternehmensteilen eingesprungen“, sodass die Fahrpläne „weitgehend zuverlässig“ eingehalten werden konnten.

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Auch in Frankfurt am Main, teilen die dortigen Verkehrsbetriebe mit, seien zuletzt bis zu 15 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer wegen Krankheit ausgefallen. Eine Aussage darüber, wie viele Fahrten deshalb im Dezember ausfielen, könne man jedoch nicht treffen. Keine Antwort auf die Fragen der Redaktion lieferten die Verkehrsbetriebe von Essen.

Selbst das für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bekannte Stuttgart schafft es derzeit aufgrund hoher Krankheitsausfälle bei den Fahrern nicht mehr, seine Fahrgäste wie gewohnt zu befördern: Etwa 100 von 650 Busfahrerinnen und Busfahrer seien derzeit ausgefallen, schreiben die zuständigen Verkehrsbetriebe. Deshalb müsse der bereits Anfang Dezember ausgedünnte Fahrplan auch bis auf Weiteres ausgedünnt bleiben.

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Quelle: AFP, AFP/ AFP/ Saul Loeb
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Source: welt.de