Elektroautos: Wie sich 2023 die Preise für E-Autos entwickeln könnten

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Elektroautos
sind schon lange kein Nischenprodukt mehr. Knapp 18 Prozent der Autos, die
2022 in Deutschland neu zugelassen wurden, sind rein elektrisch unterwegs. Dabei
sind E-Autos weiterhin meist teurer als vergleichbare Verbrenner. Und sie waren
vergangenes Jahr nur sehr eingeschränkt verfügbar, da Lieferengpässe die
Produktion beschränkten und die Nachfrage somit oft größer als das Angebot war.
Dieses Jahr ändert sich auf dem Markt einiges: Die Lieferketten werden
wieder berechenbarer, gleichzeitig sinken die Kaufprämien in Deutschland. Und
inzwischen steht fest, dass in der EU ab 2035 keine Verbrenner mehr verkauft
werden. Wie wird sich das alles auf die Verfügbarkeit, die Nachfrage und letztlich die Preise für
E-Autos auswirken? Worauf müssen sich Interessentinnen und Interessenten
einstellen? Wir erklären, welche Faktoren den Markt bestimmen.

Übersicht:

Der politische Rahmen

Die EU sorgt mit gleich zwei Regelungen
dafür, dass in den nächsten Jahren viele E-Autos zugelassen werden. Zum
einen hat sie beschlossen, dass ab 2035 ausschließlich Pkw ohne direkte CO₂-Emissionen
neu zugelassen werden dürfen. Das werden meistens Elektroautos sein, vielleicht
auch ein paar, die mit Wasserstoff betrieben werden.

Zugleich hat die EU die Zwischenziele für die
CO₂-Flottengrenzwerte verschärft: 2030 müssen die Neuwagen im Durchschnitt 55
Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2020. Das ist durch
Verbesserungen am Verbrennungsmotor nicht möglich. Das Reduktionsziel ist faktisch
eine Quote fürs Elektroauto.

Diese Vorgaben müssen alle Hersteller
erfüllen. Es gibt also für die Autoindustrie keine andere Möglichkeit, als
immer mehr Elektroautos zu verkaufen. Langfristig dämpft das die Preise. Weil
Lieferketten von der Lithiumgewinnung bis zur fertigen Batteriezelle jedoch nicht
mit einem Fingerschnippen entstehen, werden die Marktanteile nicht sprunghaft,
sondern kontinuierlich wachsen.

Die nationalen Subventionen

Deutschland fördert seit Jahren den Kauf von
Elektroautos. Dieser sogenannte Umweltbonus ist jedoch seit dem 1. Januar von
maximal 9.570 auf 7.177,50 Euro gesunken. Diese Summe gilt bis zu einem
Bruttopreis von 47.600 Euro. Eine krumme Zahl, die sich aus 40.000 Euro netto
errechnet. Für Elektroautos bis zu 77.350 Euro brutto erhält der Endkunde immer
noch 4.785 Euro. Darüber und für sämtliche Plug-in-Hybride gibt es nichts mehr.

Diese Subvention teilen sich Staat und
Unternehmen. Der höchste Umweltbonus ergibt sich aus 4.500 Euro, die der
Staat ausschüttet. Dazu addiert sich die Hälfte davon – also 2.250 Euro – durch
den Herstelleranteil, allerdings netto. Schlägt man hier die Mehrwertsteuer von
427,50 Euro auf, kommt man auf die erwähnte Gesamtsubvention von bis zu
7.177,50 Euro.

Wenn die Prämien sinken, muss das aber nicht
bedeuten, dass die Kundinnen und Kunden mehr für das Auto bezahlen. Der
ADAC sieht Anzeichen dafür
, dass die Kaufprämie von den Herstellern
eingepreist wird. Dass also höhere Preise aufgerufen werden, weil der Staat einen Teil übernimmt. Der ADAC stellt unter anderem fest, dass die Endpreise
für Elektroautos je nach Fahrzeugsegment in fünf Jahren um bis zu 44 Prozent
angestiegen sind. Subventionen erzeugen Mitnahmeeffekte.

Der Umweltbonus wird ab dem 1.
September nur noch an Privatkäufer ausgezahlt. Bedenkt man nun, dass diese
Gruppe im Durchschnitt lediglich ein Drittel ausmacht, ist wegen der
Firmenkunden eine Subventionsschlusspanik in den ersten acht Monaten des Jahres
2023 zu erwarten. Wegen der künstlich angefachten Nachfrage werden viele
gewerbliche Besteller bei den Kaufförderungen leer ausgehen. Ein Volkswagen
ID.3 zum Beispiel ist frühestens ab dem vierten Quartal wieder lieferbar.

Der Wettlauf um verbliebene Subventionen wird
sich fortsetzen: 2024 gibt es für alle Privatkunden nur noch 4.785 Euro, wenn
das Elektroauto höchstens 53.550 Euro kostet. Was nach viel klingt, ist beim
Volkswagen ID.3, der letztlich eine Art elektrischer Golf ist, schnell erreicht
– wer die größere Batterie haben will, liegt über diesem Schwellenwert.

Ein letzter Run dürfte sich 2023 und 2024
auch dadurch ergeben, dass es einen Förderdeckel gibt: Es stehen maximal 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Wenn die Mittel
ausgeschöpft sind, gibt es auch keine Mitnahmeeffekte mehr und die
Verkaufspreise könnten sinken.

Der Dienstwagenrabatt

Der Verkauf von
Elektroautos wird jedoch nicht einbrechen, wenn die Kaufprämien sinken oder
wegfallen. Denn die Hersteller müssen, siehe oben, faktisch eine Quote erfüllen. Zusätzlich gibt es ein unmittelbares und sehr starkes Förderinstrument
für Elektroautos, an dem keine politische Kraft bislang öffentlich zweifelt:
der Nachlass auf die Dienstwagensteuer.

Wer ein
Firmenfahrzeug auch privat nutzt, muss das als geldwerten Vorteil versteuern.
Grundsätzlich kann es ökologisch Sinn ergeben, einen Dienstwagen auch für
private Zwecke einzusetzen, weil sonst zwei Autos produziert werden müssten. Der
Staat bietet den Dienstwagenfahrern an, diesen geldwerten Vorteil mit einem
Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat pauschal zu versteuern. Für einen
konventionellen Pkw, der 40.000 Euro kostet, müssen also Steuern für 400 Euro
monatlich bezahlt werden.

Die Bemessungsgrundlage
für diese Dienstwagensteuer ist für Elektroautos und Plug-in-Hybride halbiert.
Für Elektroautos mit einem Bruttolistenpreis von bis zu 60.000 Euro beträgt sie
sogar nur ein Viertel. Das ist eine der Ursachen für den Boom schwerer elektrischer
SUV: Bei einem typischen SUV-Preis von zum Beispiel 55.000 Euro müssen statt Steuern
für 550 Euro nur welche für 137,50 Euro gezahlt werden. Das treibt die
Nachfrage – und folglich die Preise.

Die Rohstoffpreise

Ein Problem für
die Autoindustrie sind die rasant steigenden Rohstoffpreise. Nach zehn Jahren,
in denen die Kosten pro Kilowattstunde Batteriekapazität rapide verfallen sind,
wird es darum neuerdings teurer: Das Beratungsunternehmen P3 Automotive etwa
sagt, dass pro Kilowattstunde statt 80 bis 95 US-Dollar Anfang 2021 ein gutes
Jahr später 145 bis 175 US-Dollar fällig gewesen seien.

Eine verbesserte
Zellchemie – zum Beispiel mit Natrium statt Lithium – kann diesen Effekt nicht
ausgleichen. Möglich ist dagegen, dass über immer neue Minen wieder ein
Preisabfall erfolgt. So wie es seit Jahrzehnten beim Rohöl üblich war.

Unklar ist auch,
inwiefern Spekulationen am Rohstoffmarkt die aktuellen Preise verzerrt haben.
Eindeutig ist nur, dass Elektroautos zwar eine hohe Energieeffizienz, aber eine
schlechte Materialeffizienz haben. Sie brauchen große Mengen an Metallen. Sehr
preisgünstige Elektroautos wird es also nur mit geringer Reichweite geben.

Die chinesische Konjunktur

Für die Produktion
von Elektroautos ist China elementar. Die Veredlung des Lithiums oder die
Förderung von Grafit findet vorwiegend dort statt. Die Abhängigkeit ist sehr
groß. Ein Problem, das Politik und Wirtschaft längst erkannt haben. Bis die
Lieferketten aber diversifiziert sind, werden Jahre vergehen.

Wegen der Zero-Covid-Politik
der chinesischen Regierung kam es immer wieder zu Störungen in den
Lieferketten. Mit der Abkehr davon ist nach einigen Monaten eine
Normalisierung zu erwarten. Das könnte die Preise senken – aber auch erhöhen,
weil Millionen Chinesinnen und Chinesen wieder zu Geld kommen, mit dem sie selbst Elektroautos
kaufen wollen.

Fazit

2023 entwickeln
sich die Preise für Elektroautos vermutlich chaotisch in die eine oder andere Richtung. Planbarkeit und
Verlässlichkeit sind die Ausnahme. Das zumindest dürfte das plausible Ergebnis des
Zusammenspiels aus Regulierungen und Subventionen einerseits und Weltmarktgeschehen
andererseits sein. Für Käuferinnen
und Käufer ist am wichtigsten, ruhig zu bleiben. Niemand sollte in Panik verfallen, weil er glaubt, jetzt
sofort ein Elektroauto kaufen zu müssen. Geduldige und findige Beobachter
könnten vielleicht sogar ein Schnäppchen machen.

Das schrittweise Abschmelzen der
Subventionen wird nicht sofort zu einem Preisverfall führen. Solange die
Nachfrage größer als das Angebot ist, bleibt das Niveau erhalten. Ein
Zusammenbruch des Markts steht nicht bevor, weil die CO₂-Flottengrenzwerte den
Verkauf von immer mehr Elektroautos erzwingen. Langfristig aber verspricht der
Wettbewerb fallende Preise.