Prinz Harry legt nach – und gibt sich versöhnlich

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Stand: 09.01.2023 08:41 Uhr

Lügen, Rassismus und ein handfester Bruderzwist: In zwei Interviews bekräftigt Prinz Harry seine medial bereits breit gestreuten Vorwürfe gegenüber dem britischen Königshaus – hofft aber dennoch auf Versöhnung.

von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Nichts, was er in seinem Buch schreibe, solle seiner Familie wehtun, sagt Prinz Harry im Interview mit dem amerikanischen Journalisten Anderson Cooper beim TV-Sender CBS. 

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Doch die Interviews, die Harry mit den amerikanischen und britischen Medien geführt hat, haben durchaus das Potenzial dazu. Denn wie auch in seiner Biografie “Reserve” (im Original “Spare”), die am Dienstag erscheinen soll und aus der wegen einer Panne schon Auszüge öffentlich wurden, gibt es zahlreiche Vorwürfe und intime Einblicke.

Das Königshaus habe die Medien mit Lügen gefüttert

Harry beschreibt beispielsweise das enge Verhältnis zwischen den Royals und der britischen Boulevardpresse. Die Presse habe Misstrauen gegen seine Frau Meghan geschürt, weil sie “eine amerikanische Schauspielerin ist, geschieden, halbschwarz”.

Und seine Familie, besonders sein Bruder, hätten nichts gegen negative Berichte unternommen, sondern sich zu sehr von den Boulevardmedien beeinflussen lassen – und diese mit Lügen über Meghan gefüttert , sodass sie das Land verlassen mussten.

Vom Kronprinzen zu Boden gestoßen

Harry sagt, er wolle mit dem Buch seine Sicht der Dinge darstellen. Nicht seine Frau habe die Brüder entfremdet, dies sei schon viel früher passiert. Der traurige Höhepunkt seien die Handgreiflichkeiten gewesen, bei denen Kronprinz William Harry zu Boden gestoßen habe – dieser habe sich dabei am Rücken verletzt.

Seine Stiefmutter Camilla beschreibt Harry als “gefährlich”, weil sie ihr Image ändern wollte – weg von der dritten Person in der einstigen Ehe von Charles und Diana. Dafür habe sie Opfer in Kauf genommen. 

Die Bilder vom Unfall der Mutter

Die Beziehung zur Presse, insbesondere zu den Boulevardmedien und Paparazzi, ist das große Thema – auch wenn es um die Erinnerungen an seine 1997 tödlich verunglückte Mutter Diana, der Fürstin von Wales, geht. Im Interview mit dem Sender ITV werden Passagen aus dem Audiobuch eingespielt, von Harry selbst gelesen.

Er beschreibt darin, dass er einige Bilder von dem Unfall angeschaut habe, Jahre später als Erwachsener, und realisiert habe, dass diese Bilder von den Männern aufgenommen wurden, die seine Mutter “gejagt” hätten. Er habe Angst, dass dies auch seiner Frau passieren könnte.

Oberhand über seine Geschichte

Vieles, was Harry in den Interviews erzählt, ist mittlerweile bekannt – auch weil einige Buchexemplare durch einen Fehler in Spanien früher in den Handel gelangt sind: die Drogenexzesse in seiner Jugend, das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, wie sehr ihm der Militärdienst geholfen habe, sich abzulenken, und auch entlastet habe, mal nicht Prinz zu sein.

Die Absicht ist klar: Hier will jemand die Oberhand über seine Geschichte und die Erzählung seines Lebens gewinnen. Unter anderem mittels der eigenen Netflix-Dokumentation “Harry & Meghan”, zahlreichen Interviews und nun der Biografie “Reserve”.

Hoffnung auf Versöhnung?

Die Royals dürften alles andere als begeistert sein – nach eigener Aussage hat Harry keinen Kontakt zu seinem Vater Charles oder seinem Bruder William. Trotzdem hoffe er auf eine Versöhnung:

Meghan und ich haben immer wieder gesagt, dass wir uns offen für alles entschuldigen werden. Es muss ein konstruktives Gespräch geben, eines, das privat stattfinden kann.

Ob ihm dies mit der Veröffentlichung seiner Biografie gelingt, ist äußerst fraglich.

Source: tagesschau.de