Schweizer Notenbank streicht nach rekordhohen Verlusten Ausschüttung

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Nach einem Rekordverlust von 132 Milliarden Franken wird die Schweizerische Nationalbank (SVB) für das Jahr 2022 kein Geld an die öffentliche Hand ausschütten. Im Vorjahr hatte die SNB noch die maximal mögliche Summe von sechs Milliarden Franken verteilt. Davon gingen zwei Drittel an die Kantone und ein Drittel an den Bund.

Johannes Ritter

Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

Vor Jahresfrist konnte die Notenbank noch aus dem Vollen schöpfen, hatte sie doch das Jahr 2021 mit einem Gewinn von 26,3 Milliarden Franken abgeschlossen. Auf dieser Grundlage waren auch die privaten Aktionäre der SNB mit der Höchstdividende von 15 Franken je Aktie bedient worden. Auch diese Ausschüttung fällt nun flach, wie die Nationalbank am Montag in einem ersten kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr mitteilte.

Im vierten Quartal wieder aufwärts

Die SNB zählt zu der Handvoll Notenbanken, deren Aktien an der Börse notiert sind. Allerdings sind die Rechte der privaten Anteilseigner gemäß Nationalbankgesetz stark eingeschränkt. Größter privater Aktionär ist mit einem Anteil von 5 Prozent der Düsseldorfer Unternehmer Theo Siegert. Einfluss hat er keinen: Jeder private Aktionär hat maximal 100 Stimmen.

Der gewaltige Verlust kommt nicht überraschend. Nach den ersten neun Monaten war dieser mit 142,4 Milliarden Franken sogar noch höher als für das Gesamtjahr. Das heißt dann auch, dass die SNB im vierten Quartal einen Gewinn von gut zehn Milliarden Franken erzielt hat. Große Ergebnisschwankungen sind typisch angesichts der riesigen Bilanz, welche die Nationalbank in den zurückliegenden Jahren aufgebaut hat.

In ihrem Kampf gegen eine allzu starke Aufwertung des Frankens sammelte sie einen gewaltigen Devisenbestand an. Das Geld ist unter anderem in Anleihen, Aktien und Gold angelegt. Ändert sich der Wert dieser Anlagen, steigt oder sinkt auch das Ergebnis der SNB. Auf die jeweils zum Bilanzstichtag ermittelten Bewertungsgewinne- oder verluste haben auch Wechselkurseffekte zum Teil erheblichen Einfluss, je nachdem, wie sich der Wert des Frankens im Verhältnis zu Euro und Dollar entwickelt.

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Details zur Ergebnisentwicklung nennt die SNB erst mit Vorlage des Geschäftsberichts am 22. März. Klar ist jedoch, dass der Rückgang der Aktienkurse in aller Welt erheblich zu dem Minus beigetragen hat. Die SNB hält rund ein Viertel ihrer Anlagen in Aktien. Die höheren Zinsen sorgten für Kursverluste bei den Staatsanleihen, die einen weiteren großen Anlagerschwerpunkt bilden.

Nach Angaben der Notenbank resultierte aus den Fremdwährungsbeständen insgesamt ein Verlust von 131 Milliarden Franken. Der Goldbestand bescherte dagegen einen kleinen Bewertungsgewinn von 0,4 Milliarden Franken, weil der Goldpreis im Jahresverlauf insgesamt leicht gestiegen ist.

Der gewaltige Fehlbetrag radierte die vorhandene Ausschüttungsreserve von 102,5 Milliarden Franken aus und mündete unter dem Strich in einem Bilanzverlust von rund 39 Milliarden Franken. „Dieser Bilanzverlust verunmöglicht gemäß den Bestimmungen des Nationalbankgesetzes sowie der Gewinnausschüttungsvereinbarung zwischen dem Eidgenössischen Finanzdepartement und der SNB eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2022“, heißt es in der Mitteilung.

Je nach Marktentwicklung könnte im laufenden Jahr wieder ein Gewinn in zweistelliger Milliardenhöhe anfallen. Ob dieser dann aber hoch genug ausfällt, um die öffentliche Hand wieder mit einer Ausschüttung zu beglücken, steht in den Sternen. Zunächst müsste die SNB ihre Ausschüttungsreserven wieder ordentlich auffüllen. Die Bank UBS weist überdies darauf hin, dass die Einnahmen aus Negativzinsen in diesem Jahr wegfallen und dass die SNB einen großen Teil der Sichtguthaben zu einem Zinssatz von 1 Prozent und mehr verzinsen müsse. Das mache die Aufgabe noch herausfordernder.

Source: faz.net