Teenager ganz ohne Smartphone, was ist da los?

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Was ist cool, was uncool, wer gehört zu welcher Clique, welchem „Club“? Das sind die Fragen, die im Leben der meisten Teenager wirklich wichtig sind – ein Aspekt, der einen als Mitglied bestimmter Peer-Gruppen auszeichnet, sind immer auch Produkte. Also (Marken-)kleidung, Taschen, bestimmte Fahrzeuge, aber längst natürlich bestimmend auch das Handy. Welche Marke, welcher Typ, wie neu ist das iPhone?

In den USA bilden sich nun kleine Gruppen aus jungen Leuten, die als Distinktionsmerkmal genau das Gegenteil nutzen – nämlich ein bestimmtes Objekt eben nicht zu besitzen: das Smartphone. Die „New York Times“ (NYT) hat in einer größeren Reportage eine dieser Gruppen einer amerikanischen High-School begleitet, sie nennen sich „Luddite“, also Technikverweigerer.

Sie nutzen entweder gar kein Handy mehr oder eben höchstens alte Klapphandys ohne Internetzugang. Das ist auch die einzige Regel des „Luddite Clubs“: kein Smartphone.

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Sie verabreden sich zu regelmäßigen, wöchentlichen Treffen – zu denen jeder kommen muss, denn sie sind füreinander nicht unkompliziert erreichbar, kein kurzfristiges Absagen oder Verschieben, wie es im WhatsApp-Zeitalter so leicht geworden ist. Die meisten, so berichten sie es der NYT, konnten und wollten sich dem Druck der social Apps wie Instagram, TikTok und Twitter nicht mehr aussetzen, es habe sie gestresst, immer posten zu müssen. Insbesondere in der Zeit der Pandemie, als man sich wenig persönlich treffen konnte und Kommunikation für einige Monate hauptsächlich digital stattfand.

Sie wollen sich befreien davon, immer aufmerksam sein zu müssen – und selbst Aufmerksamkeit generieren zu müssen. Lola Shub, High-School-Schülerin, beschreibt sich in einem Essay für „Business Insider“ als „Screenager“, also einen Teenager, der eigentlich nur vor und durch einen Bildschirm existiert.

Inspiriert durch eine Freundin, habe auch sie, ermüdet vom ewigen Scrollen, ihr iPhone gegen ein Klapphandy getauscht. „Wir telefonieren jetzt, statt uns zu schreiben“, berichtet Shub von einer völligen Neuheit in ihrem Leben. Und sie würde nun Bücher lesen, könne sich besser konzentrieren.

Zum ersten Mal Langeweile

Sie und ihre Freunde (geboren nach 1997) sind in einem Alter, in dem sie kein „Vorher“ kennen, sie sind aufgewachsen, mit Eltern, die schon ein Handy in der Hand hielten – nun entdecken sie eine analoge Welt völlig neu, die für die Millennials noch „normal“ war: „Es gibt so viel mehr als das, was man in dieser kleinen Box sieht“, philosophiert Shub. Andere berichten, dass ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben „langweilig“ gewesen sei, sie die Welt neu kennenlernen würden.

Die Luddite-Teenager treffen sich, unterhalten sich, machen Musik, tauschen sich über Bücher aus – und das ist diversen Medien Berichterstattung wert. Denn: der Durchschnittsteenager verbringt sechs bis acht Stunden jeden Tag vor einem Bildschirm, das ist ein Großteil seiner „Wachzeit“. Wenn sie sich dann plötzlich im Wald treffen, um Gitarre zu spielen und zu zeichnen, dann ist das für viele Beobachter eine kleine Sensation.

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Ob dieser Trend zum Massenphänomen wird – unklar, kann er sich doch schließlich auch nicht durch virale Posts und Videos in sozialen Netzwerken weltweit verbreiten, kann ja keiner was davon posten. Eine andere Jugendtrend-Bewegung hingegen praktiziert das Abschwören der Technik in einer abgeschwächten Variante und brüstet sich damit wie gewohnt auf Instagram und TikTok: statt Fotos mit dem Smartphone zu machen, nutzen sie die Digitalkameras ihrer Eltern.

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Das finden sie, auch das berichtet an anderer Stelle die „New York Times“ , „aufregend“, auch das – Fotos machen, mit einem Gerät, das isoliert nur dafür gedacht ist, kennen sie nicht. Auf TikTok hat der Hashtag #digitalcamera 185 Millionen Treffer, auf ebay steigt das Suchvolumen nach Digitalkameras.

Die neuen alten Fotos sind unschärfer als man es von seinem Instagram-Feed gewohnt ist, schlechter belichtet, dieses Nostalgie-Feeling ist wieder cool, wird von den Teenagern als „neue Ästhetik“ bezeichnet – #newaesthetic.

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Source: welt.de