Vier rudimentäre Merkmale – Trifft eins auf dich zu, bist du ein seltenes Exemplar

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Weisheitszähne, Blinddarm, Steißbein: In deinem Körper sammeln sich mehrere Knochen, Organe und Strukturen, die keine Funktion mehr erfüllen. „Rudimente“ nennen Evolutionsbiologen solche Merkmale. Manche Menschen haben aber auch einen Atavismus – ein anatomisches Merkmal, das im Zuge der Evolution (fast) ganz verschwunden ist.

Von weniger normal bis außergewöhnlich, wir stellen dir vier solche Besonderheiten vor. Trifft eine auch auf dich zu?

10 bis 58 Prozent: Du hast einen Darwin-Ohrhöcker

Frau mit einem Darwin-Ohrhöcker
Da ist er, der Darwin-Ohrhöcker!
Quelle: Unsplash/Taisiia Shestopal

Um dieses Merkmal zu erkennen, brauchst du vermutlich einen Spiegel: Es geht um den Darwin-Ohrhöcker, ein Knorpelfortsatz am Außenrand der Ohrmuschel.

Benannt wurde der Knubbel nach dem „Vater der Evolutionstheorie“, Charles Darwin. Er deutete den Ohrhöcker als Überbleibsel spitzer Ohren, wie sie andere Säugetiere haben. Zuerst aufgefallen ist die Ohrmuschelkontur dem britischen Bildhauer Thomas Woolner. Er stellte den Fortsatz in einer seiner Skulpturen dar und erzählte dem Naturforscher davon.

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Welche Funktion der Ohrhöcker einmal gedient haben könnte, ist unklar. Fest steht, das Merkmal kommt beim Menschen nur noch selten vor – ein Atavismus also. Die Ergebnisse vergangener Studien belegen, dass etwa 10,5 Prozent der Erwachsenen in Spanien, 40 Prozent der Erwachsenen in Indien und 58 Prozent der Kinder in Schweden den Knorpelfortsatz auf einem oder beiden Ohren haben. Globale Zahlen liegen derzeit nicht vor.

20 bis 25 Prozent: Du hast weniger als vier Weisheitszähne

Ein Zahnarzt schaut sich Röntgenaufnahmen an
Au Backe! Bei vielen verursachen die Weisheitszähne Schmerzen und Beschwerden.
Quelle: Unsplash/Jonathan Borba

Ach, die Weisheitszähne! Sie sind wie kleine Störenfriede im Mund. Zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr wagen sie meist den Durchbruch – wenn überhaupt. Häufig passen die vier hinteren Zähne nicht mehr in die Zahnreihe. Sie verkeilen sich, entzünden sich und verursachen Beschwerden. Dann heißt es Mund auf, Augen zu und durch: Die Weisheitszähne müssen entfernt werden.

Grund für den Platzmangel ist die Evolution. Über Jahrtausende hinweg ist der menschliche Kiefer kleiner geworden, auch die Anzahl der Zähne hat sich vermutlich reduziert. Die vier Weisheitszähne haben wir Menschen aber beibehalten – zumindest 75 bis 80 Prozent von uns.

Der Rest der Bevölkerung hat Glück: Sie haben nur ein, zwei oder drei Weisheitszähne – in manchen Fällen sogar gar keine. Das zeigt eine 2015 veröffentlichte Literaturübersicht von über 1.000 Studien.

10 bis 15 Prozent: Dir FEHLT diese Sehne im Handgelenk

Eine Person streckt ihre Hand hoch
Etwas blass, aber auch hier ist der Palmaris-Longus-Muskel erkennbar.
Quelle: Unsplash/Hassan Weller

Um das nächste Merkmal zu erkennen, bedarf es einen Selbstversuch! Schritt eins: Lege deinen Unterarm mit der Vorderseite nach oben auf eine flache Oberfläche. Schritt zwei: Drücke deinen Daumen gegen deinen kleinen Finger und neige deine Hand leicht zu dir. Was siehst du?

Taucht ein dünner Strang auf der Vorderseite deines Handgelenks auf, besitzt du den Palmaris Longus. Wenn nicht, gehörst du zu den wenigen Menschen, denen die Sehne in einem Arm oder beiden Armen fehlt.

Ob du den Muskel hast oder nicht, macht laut einer Studie im Fachmagazin „Journal of Hand Surgery“ Kräfte technisch keinen Unterschied. Der Palmaris Longus ist – zumindest beim Menschen – funktionslos geworden. In der plastisch-konstruktiven Chirurgie wird die Sehne deshalb häufig entfernt und anderweitig eingesetzt.

Anders ist es bei Säugetieren, die ihre Vorderläufe viel benutzen. So wie etwa Lemuren, die von Ast zu Ast schwingen. Bei ihnen ist der Muskel noch stark im Einsatz und dadurch deutlich länger und ausgeprägter als beispielsweise bei Schimpansen, Gorillas oder Menschen.

Weniger als 40 Fälle: Du wurdest mit einem menschlichen Schwanz geboren

In der vierten Schwangerschaftswoche sehen menschliche Embryos den Embryos anderer Wirbeltiere sehr ähnlich. Sie haben einen Schwanz, der sich aus zehn bis zwölf Wirbeln zusammensetzt. Bei Tieren wie Mäusen oder Katzen entwickelt sich aus dem Fortsatz ein funktionstüchtiger Schwanz. Bei Affen und Menschen nicht: Es kommt zum vorprogrammierten Zelltod der Schwanzwirbel. Nur das Steißbein bleibt als Rudiment übrig.

Eine Katze sitzt auf einem Zaun
Bei Katzen kann man den Schwanz kaum wegdenken – beim Menschen ihn nicht dazudenken!
Quelle: Unsplash/Jason Leung

Äußerst selten verhindert jedoch ein Fehler im Code diesen Ablauf – und es wird ein Baby mit einem Schwanz geboren. Klingt abgefahren, stimmt aber wirklich. Meist wird der Atavismus noch im Babyalter chirurgisch entfernt, um möglichen Gesundheitsproblemen vorzubeugen. Bis dato wurden weniger als 40 Fälle dokumentiert, heißt es in einer Fallstudie aus dem Jahr 2012. Wir vermuten, du gehörst nicht dazu.

Aber egal, ob diese vier Merkmale auf dich zutreffen oder nicht: Du bist ein genetisches Wunder! Und wer weiß: Vielleicht hast du eine dieser seltenen Eigenschaften?

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Linkshänder & Co: 7 Eigenschaften - hast du eine, bist du unnormal
Beidhändig, rechtsküssend…

Source: welt.de