Nach Lothar Wielers Abgang muss das RKI neu aufgestellt werden

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Der Rücktritt von Lothar Wieler als Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) bietet die Chance für den überfälligen Neuanfang in Deutschlands oberster Seuchenschutzbehörde. Viel zu oft war das RKI in der Pandemie zu einem Instrument der Politik verkommen, anstatt sich – wie vorgesehen – auf die Wissenschaft zu beschränken.

Da wurden brisante Daten zur Effektivität der Corona-Impfungen zurückgehalten oder verschleiert, da saß Wieler in Pressekonferenzen neben Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) und ließ ihm Falschbehauptungen durchgehen, da war die plötzliche Verkürzung des sogenannten „Genesenenstatus“ auf drei Monate.

Als Chef der dem Gesundheitsministerium untergeordneten Behörde stand Wieler, im Grunde ein kritischer Kopf, unter dem Scheffel des Ministers – und in der neuen Regierung hielt ihn Lauterbach an der kurzen Leine.

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Anstatt auf die offensichtlichen Fehltritte des Ministers zu reagieren, schwieg Wieler in der Öffentlichkeit – das war dem unbedingten Willen geschuldet, den vor sieben Jahren angetretenen Job behalten zu dürfen. Mehrfach war er von Lauterbach angezählt worden.

Was nun zum Umdenken geführt hat, war am Tag der Rücktrittsverkündung unklar. Fakt ist: Mit einer schlichten Neubesetzung des Amtes ist es nicht getan. In den Koalitionsverhandlungen hatte sich die Ampel darauf geeignet, das RKI vom Gesundheitsministerium zu lösen.

Der Plan: die Aufstellung einer weisungsungebundenen Behörde, die einzig das in die Öffentlichkeit trägt, was wissenschaftlich fundiert ist – und nicht das, was die Politik wünscht. Dieser Plan muss umgesetzt werden. Der neue Präsident kann dann gleich eines der größten Probleme angehen: die miserable Datenlage des RKI, nicht nur in Sachen Corona. Auch dieser grobe Mangel geht auf Wielers Kappe.

Source: welt.de