Neue Hoffnung für Boeing? Im ewigen Duell kämpft Airbus mit einem Makel

Get real time updates directly on you device, subscribe now.

Obwohl Airbus zweimal seine Ziele zurückschrauben musste, waren die Europäer auch 2022 der größte Flugzeughersteller der Welt. Zum vierten Mal in Folge verbuchte Airbus im vergangenen Jahr mehr Aufträge als Boeing und produzierte auch mehr Flugzeuge. Nach neuesten Zahlen kam Airbus auf 661 Auslieferungen, Boeing nur auf 480. Ursprünglich wollte Airbus sogar 720 Maschinen produzieren. Doch das war zu ambitioniert und überforderte die Lieferkette.

Auch bei den Bestellungen lagen die Europäer ein weiteres Mal vor der US-Konkurrenz. Bei Airbus wurden brutto 1078 Flugzeuge geordert. Nach dem Abzug von Abbestellungen blieben netto 820 übrig. Boeing kam durch eine Schlussrallye im Dezember immerhin noch auf netto 774 Neuaufträge. 62 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der mit hohen Verlusten und hausgemachten Problemen kämpfende US-Konzern hat damit seine Talsohle durchschritten und holt auf, liegt aber noch hinter Airbus. In einer Telefonkonferenz äußerte sich Airbus-Verkaufschef Christian Scherer zuversichtlich, dass die Europäer ihre Spitzenposition auch in diesem Jahr behaupten können.

Lesen Sie hier mehr von WELT-Autor Gerhard Hegmann
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan übergibt moderne türkische Haubitzen vom Typ Firtina II an seine Streitkräfte
Panzer, Kampfjets, Haubitzen
Der Schützenpanzer Marder ist für einen „Waffenverbund“ konzipiert
Panzer für Kiew
Rheinmetall vs. KMW

Auf die Frage, wie lange Airbus Boeing noch dominieren könnte, antwortete Scherer unverblümt: „Ich habe wirklich ein gutes Gefühl, was unser Portfolio und die Leistung unserer Produkte auf dem Markt in absehbarer Zukunft angeht.“

Advertorial Testsieger Quirion

In dem 50 Jahre dauernden Wettbewerb der Rivalen wechselte die Spitzenposition mehrfach. Airbus hatte erstmals vor 20 Jahren die Nase vorn. Allerdings holte sich Boeing von 2012 bis 2018 die Führung zurück, als das Modell 787 Dreamliner auf den Markt kam. Danach folgten für den US-Konzern wirtschaftliche Tiefschläge mit zwei Abstürzen des 737Max-Modells, einem Flugverbot, Qualitätsproblemen sowie der Branchenkrise durch die Corona-Pandemie.

Während Boeing in der Krise steckte und seine Produktion extrem drosselte, versuchte Airbus so gut wie möglich über die Runden zu kommen. Beim Neustart des Luftverkehrs wollte Airbus-Chef Guillaume Faury wieder lieferfähig sein.

„Die Lieferkette ist nach wie vor anfällig“

Allerdings konnte die Produktion 2022 nur um acht Prozent hochgefahren werden. Faury verwies neben den Lieferkettenproblemen auf die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine, Herausforderungen bei der Energieversorgung, die Inflation und angespannte Arbeitsmärkte. Eine schnelle Wende zeichne sich nicht ab. „Die Lieferkette ist nach wie vor anfällig“, so Faury. Boeing bewältigte die Herausforderungen offensichtlich besser. Die Produktion stieg von niedrigem Niveau immerhin um 40 Prozent.

Airbus-Manager Scherer wertete die brutto mehr als 1000 Neubestellungen im vergangenen Jahr in doppelter Hinsicht als gutes Zeichen. Zum einen, weil die Airlines und Leasinggesellschaften wieder kräftig kaufen. Zum anderen sei es auch ein Indiz, dass die Fluggesellschaften nicht abwarten, bis Boeing womöglich mit einer Neuentwicklung als Ersatz für seine 737-Familie auf den Markt kommt.

Bei Großraumflugzeugen liegt Boeing vorn

Tatsächlich beruht der Airbus-Erfolg im Jahr 2022 sowie in den Vorjahren vor allem auf den Modellvarianten der A320-Familie, einem Flugzeug mit einem Mittelgang. Allein 770 Bestellungen (brutto) und 516 Auslieferungen zählten die Europäer im vergangenen Jahr für diese Modellfamilie. Boeing kam auf 561 Bestellungen für das sicherheitstechnisch überarbeitete 737Max-Modell. Bemerkenswert ist, dass Airbus mehr Modelle der A320-Familie produzierte als Boeing insgesamt.

Boeing konnte Airbus zumindest bei den Bestellungen für Großraumflugzeuge abhängen. Dies beruht aber auf einem Sondereffekt. So stornierte die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia X 63 A330Neo. Ebenfalls gestrichen wurden 19 A350-Großraummodelle durch Qatar Airways. Die Staatsairline von Katar streitet sich heftig mit Airbus wegen angeblicher Qualitätsmängel.

Lesen Sie auch
Triebwerke könnte Airbus künftig selbst herstellen. Der Flugzeugbauer entwickelt jetzt einen eigenen Ökoantrieb
Revolution im Flugzeugbau

Trotz schwacher Zahlen für Großraumjets will Verkaufschef Scherer nichts von einer Airbus-Schwäche in dieser Kategorie wissen. In diesem Jahr soll es jedenfalls weiter aufwärtsgehen. Aber weder Airbus noch Boeing nennen bislang konkrete Absatz- oder Produktionsziele. Auch die wirtschaftlichen Kennziffern hinter den Bestellzahlen sind noch unbekannt. Bei beiden Herstellern kamen mehr Aufträge herein als sie abarbeiten konnten.

Das vor allem bei Airbus prall gefüllte Orderbuch wurde 2022 noch dicker und stieg auf 7239 Bestellungen. Die Zeitspanne zwischen Auftrag und Lieferung erinnert inzwischen an Autolieferzeiten in der ehemaligen DDR. Wie Verkaufschef Scherer sagte, muss ein Kunde bis 2029 warten, wenn er heute ein Modell aus der A320-Familie bestellt.

Um diese Wartefrist zu verkürzen, versucht Airbus seine Produktion so schnell wie möglich hochzufahren, was aber nicht so einfach ist. Bis 2024 sollen bei den weltweit vier Produktionsstandorten in Deutschland, Frankreich, China und den USA monatlich 65 Jets und bis Mitte des Jahrzehnts dann 75 Flugzeuge der A320-Baureihe aus den Hallen rollen.

Hier können Sie unsere WELT-Podcasts hören
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine widerrufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an“ stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, u.a. die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du hier. Du kannst deine Einwilligung jederzeit über den Schalter und über Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

„Alles auf Aktien“ ist der tägliche Börsen-Shot aus der WELT-Wirtschaftsredaktion. Jeden Morgen ab 7 Uhr mit den Finanzjournalisten von WELT. Für Börsenkenner und -einsteiger. Abonnieren Sie den Podcast bei Spotify, Apple Podcast, Amazon Music und Deezer. Oder direkt per RSS-Feed.

Source: welt.de