„Das hat er jetzt nicht geschafft“ – Wissing stichelt beim Klimaschutz gegen Habeck

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Es sind drastische Szenen, die sich derzeit in Lützerath abspielen. Die Polizei räumt das besetzte Protestlager. Nach Polizeiberichten kam es zu Steinwürfen und Angriffen mit Molotow-Cocktails. Lützerath war daher auch Thema bei Sandra Maischberger. Für ein Einzelgespräch hatte die Moderatorin Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) eingeladen. Der machte für fehlende Klimakonzepte vor allem seinen Kabinettskollegen Robert Habeck verantwortlich.

Auch dabei war Moderator Eckart von Hirschhausen, der im März seine Bühnenkarriere beendet, um sich dem Klimaschutz zu widmen. Die Geschehnisse der Woche kommentierten Jörg Thadeusz, die „taz“-Journalistin Ulrike Herrmann und die frühere „heute“-Moderatorin Petra Gerster.

In dieser Woche kürte die Philipps Universität in Marburg „Klimaterroristen“ zum Unwort des Jahres. Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass durch den Begriff Aktivisten „kriminalisiert und diffamiert werden“.

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Gerster sieht in der Entscheidung der Jury „eine gute Wahl, weil es einmal wieder zeigt, wie mit der ganz großen Keule ausgeholt wird, um eine eigentlich gute Sache zu diskreditieren“. Die frühere ZDF-Moderatorin erinnerte auch daran, wie sie selbst früher genannt worden sei: „Genderterroristin“. In der Sendung redete die Journalistin passenderweise von „Aktivist*innen oder Aktivistis, wie sich übrigens selber nennen, genderneutral“.

In die Relativierung der Geschehnisse in Lützerath stieg Herrmann gleich ein. „Das sind Jugendliche, die wollen durchsetzen, dass der Staat sich an seine eigenen Gesetze hält“, erklärte die Journalistin.

Klimaterroristen oder Aktivisti?: Ein Besetzer auf dem Dach eines Gebäudes in Lützerath
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Quelle: REUTERS

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„Gewalt Zeichen für Integration“

Als es später in der Sendung um die Berliner Silvesterkrawalle ging, wich Gerster dann von ihrer genderneutralen Sprache ab. „Immer diese jungen aggressiven Männer. Was ist da alles schiefgelaufen in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Lebens?“, fragte die Journalistin. Wegen des Kriegs in der Ukraine hätte sich die frühere „heute“-Moderatorin wie in den Vorjahren sogar ein Feuerwerksverbot gewünscht.

Herrmann hatte damit offenbar ihr Thema gefunden. Die „taz“-Journalistin kam aus dem Relativieren nicht mehr heraus. „Also diese Migrationsdebatte geht auch so ein bisschen in die Irre“, erklärte Herrmann. Die Festgenommenen seien überwiegend Deutsche gewesen.

Dennoch zog die Publizistin die Krawalle sogar als Indiz für eine gelungene Integration heran. Seien fast alle integriert, dann sei dies für den kleinen Rest besonders hart. Diese Personen radikalisierten sich dann, so Herrmanns Logik: „Man könnte sozusagen sagen, dass die Gewalt ein Zeichen dafür ist, dass die Integration gelingt.“

Für Herrmann hätte sich zuvor aber vielleicht auch noch einmal ein Blick in die Angaben der Berliner Polizei gelohnt. Nach diesen hatten von 145 vorläufig festgenommenen Personen 45 die deutsche Staatsbürgerschaft. Der überwiegende Teil hatte damit gerade nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

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Wissing: Keine pünktlichere Bahn in diesem Jahr

Bundesverkehrsminister Wissing nahm allen Bahn-Kunden die Hoffnung auf pünktliche Züge in diesem Jahr. „Für 23 ist es schwer, sofort eine Verbesserung herbeizuführen“, erklärte Wissing. Das Bahnnetz sei „so vernachlässigt worden in den letzten Jahrzehnten, dass man darauf nicht pünktlich fahren kann“. Der Verkehrsminister versprach jedoch ein neues Vorgehen bei Baustellen und damit Verbesserungen ab dem kommenden Jahr. Eine Pünktlichkeit wie in der Schweiz sei jedoch frühestens im Jahr 2030 möglich.

Wissing sprach sich dafür aus, die Maskenpflicht im Fernverkehr „so schnell wie möglich“ zu beenden. „Das ist auch eine Belastung für das Personal, das zu kontrollieren“, sagte er.

Noch in diesem Jahr soll es das 49€-Ticket geben – auch wenn Wissing es penetrant „Deutschlandticket“ nennt. „Das klingt erstens schön und zweitens hat es den Vorteil, Sie können jedes Jahr die Preise erhöhen“, stichelte Maischberger. „Wir nennen es Deutschlandticket, weil man in ganz Deutschland damit fahren“, entgegnete der FDP-Mann grinsend.

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Anscheinend hatte Wissing mit seinem Ausweichen die Moderatorin so sehr auf die Palme gebracht, dass sie bei den Fragen zum Klimaschutz in seinem Ministerium sich die Antworten lieber selbst gab. Dauernd fiel Maischberger dabei ihrem Gesprächspartner ins Wort.

Die Moderatorin hielt Wissing das Urteil des Expertenrats für Klimafragen der Bundesregierung vor. Dieser hatte im vergangenen Jahr Wissings Klima-Sofortprogramm erheblich kritisiert. Der FDP-Politiker berief sich dagegen auf ein positiveres Zeugnis seines eigenen Expertenrats im Ministerium. „Da geht einiges durcheinander Frau Maischberger“, sagte Wissing.

Wissing schießt gegen Habeck

Der Bundesverkehrsminister griff dann seinen grünen Kabinettskollegen Robert Habeck an. Dieser habe die Aufgabe, ein Klimaschutz-Sofortprogramm vorzulegen. „Das hat er jetzt nicht geschafft im vergangenen Jahr“, stichelte Wissing, sicherte seinem Kollegen aber seine Unterstützung zu.

Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen bis zum Jahr 2030 im Verkehrsbereich 270 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. „Wie viel werden Sie dieses Jahr einsparen“, will Maischberger wissen. „So viel wie möglich“, entgegnet Wissing – „Sie können es nicht sagen“ – „Nein, das kann man nicht sagen“, gibt der FDP-Mann zu und gibt Habeck noch eine weitere Breitseite mit: „Warten Sie ab, bis der Klimaschutzminister das Sofortprogramm der gesamten Bundesregierung vorgelegt hat, dann kommt vielleicht mal Licht in dieses Dunkel.“

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„Haben planetaren Notfall“

Klarer wurde es anschließend beim Moderator Eckart von Hirschhausen. Dieser beendet im kommenden März seine Bühnenkarriere, möchte sich dann vermehrt dem Klimaschutz widmen. „Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich in der Freizeit zu retten, wenn andere sie hauptamtlich zerstören“, witzelte der Moderator. Angesichts des „planetaren Notfalls“ sei alles andere „unterlassene Hilfeleistung“.

Problematisch sei hierzulande vor allem die Hitze. Im vergangenen Jahr habe es mehr Hitzetote als Coronatote in Deutschland gegeben. Wie gefährlich dies sein kann, machte Hirschhausen an einem Vergleich deutlich. Ein Ei bestehe wie das menschliche Gehirn aus Eiweiß, Wasser und Fett. Lege man ein rohes Ei in warmes Wasser verändere dieses seine Struktur für immer: „Das Ei wird hart und wenn das Wasser wieder kalt wird, wird es nicht mehr weich.“ Das Ei habe damit die Chance auf Leben vertan: „Aus einem gekochten Ei wird nie mehr ein Küken.“ Dies sei auch die Gefahr bei Hitzewellen: „Wir haben ein biologisches Limit.“

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Source: welt.de