Niedriger Ölpreis weckt Hoffnung auf günstigere Energie

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Der Ölpreis hat das Jahr mit relativ niedrigen Werten begonnen. Am Mittwoch notierte er zeitweise sogar unterhalb von 80 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent, bevor es eine Gegenbewegung gab. Allein in der ersten Handelswoche war der Preis um gut 8 Prozent zurückgegangen. Das war laut Commerzbank der stärkste Preisrückgang in einer ersten Handelswoche seit 2016. Noch im Sommer hatte Öl mehr als 100 Dollar gekostet, im März sogar fast 130 Dollar.

Das nährte zuletzt Hoffnungen auf niedrigere Energiepreise auch für Verbraucher. Der Heizölpreis fiel nach Zahlen des Internetportals Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, auf 114 Euro je 100 Liter. Das war der niedrigste Wert seit Februar vergangenen Jahres. Bis zum Jahreswechsel hatte der Preis oberhalb von 120 Euro gelegen, im März sogar bei mehr als 200 Euro.

Spritpreise fallen auf Wochensicht

Auch die Spritpreise sind gefallen. Wie der Autoklub ADAC in seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von 14 000 Tankstellen berichtet, sank der Preis für Super E10 auf Wochensicht im Schnitt um 3,6 Cent auf 1,707 Euro je Liter, der für Diesel um 3,9 Cent auf 1,811 Euro je Liter. Als wichtigsten Grund nennt der Autoklub den Rückgang des Rohölpreises; aber auch der etwas schwächere Wechselkurs des Dollars zum Euro mache sich für Verbraucher positiv bemerkbar.

Bereits in den zurückliegenden Monaten hatten leicht gesunkene Energiepreise etwas Entlastung bei der Inflation gebracht. So war die Inflationsrate in Deutschland im November von 10,4 auf 10 Prozent gefallen; dabei hatte der Ölpreis eine Rolle gespielt. Im Dezember fiel die Rate weiter auf 8,6 Prozent; das war aber vor allem eine Folge staatlicher Eingriffe – der Übernahme des Erdgasabschlags im Dezember durch den Staat.

Für Januar rechnen Ökonomen nun wieder mit einer höherer Inflationsrate; wenn auch nicht mit zweistelligen Werten. „Die Preise für Kraftstoff und Heizöl sind trotz der jüngsten Rückgänge noch ähnlich hoch wie Mitte Dezember, als die Statistiker die Inflationsdaten erhoben“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: „Daher dürften die Mineralölpreise die Inflation im Januar nicht noch einmal nennenswert drücken.“

Die Prognosen der Analysten für den Ölpreis in diesem Jahr fallen ohnehin überwiegend noch eher hoch aus. Allerdings sind Ölpreise immer schwer über längere Zeit vorherzusagen. In einer Umfrage der F.A.Z. unter rund einem Dutzend Finanzunternehmen rechnen diese im Durchschnitt mit einem Ölpreis von 92 Dollar je Barrel der Nordseesorte Brent zur Jahresmitte und zum Jahresende. Die niedrigste Prognose für das Jahresende gab die Bank J. Safra Sarasin mit 77 Dollar ab, die höchste die Banken UBS, ING und Berenberg mit 110 Dollar je Barrel.

Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet mit 100 Dollar je Barrel für Brent zum Jahresmitte – und mit 105 Dollar zum Jahresende.

Zu den wichtigen Kriterien, von denen die weitere Entwicklung des Ölpreises abhängt, dürfte die Nachfrage aus China gehören. „Wir gehen davon aus, dass die Ölpreise steigen, wenn die aktuelle Infektionswelle in China ihren Höhepunkt überschritten hat und die Wirtschaftsaktivität zunimmt“, sagt Carsten Fritsch, Ölfachmann der Commerzbank.

Öl-Embargo zeigt erste Wirkungen

Seit dem 5. Dezember gelten ein Embargo der Europäischen Union gegen russisches Öl, das auf dem Seeweg eingeführt wird, sowie ein Preisdeckel der G7-Staaten. Zudem fließt seit Jahresanfang auch durch die Pipelines etwa zur brandenburgischen Raffinerie Schwedt kein russisches Öl mehr. Diese Raffinerie soll durch Ersatzlieferungen über den Ostseehafen Rostock aktuell zu etwa 50 Prozent ausgelastet sein, später erwartet man noch eine Lieferung kasachischen Öls.

Anders als von manchen befürchtet haben Embargo und Preisdeckel bislang nicht zu einer deutlichen Verknappung von Rohöl auf den Weltmärkten mit stark steigenden Preisen geführt. Im Gegenteil: Offenbar nutzen China und Indien, die zum Teil für die westlichen Staaten als Öl-Abnehmer einspringen, die gute Verhandlungsposition, um mit Russland niedrige Preise auszuhandeln.

„Urals, eine der russischen Ölbenchmarks, notiert derzeit bei 43 Dollar je Barrel und somit weit entfernt von der Preisobergrenze von 60 Dollar je Barrel“, sagt Cyrus de la Rubia, Ölfachmann der Hamburg Commercial Bank. Seit dem Inkrafttreten der Preisobergrenze sei der Preis für Urals deutlich stärker gesunken als der allgemeine Ölpreis. Das Embargo der EU mache es für Russland jedenfalls schwieriger, alternative Käufer zu finden, berichtet Giovanni Staunovo, Ölfachmann der Schweizer Bank UBS.

Auch die amerikanische Finanzministerin Janet Yellen bezeichnet den Preisdeckel auf russisches Rohöl als Erfolg. Es gebe nach etwa einem Monat „frühe Fortschritte“ bezüglich der beiden Ziele, Russlands Einnahmen zu begrenzen und gleichzeitig russisches Öl am Weltmarkt zu halten, sagte Yellen vor einem Treffen mit ihrer kanadischen Kollegin Chrystia Freeland. Offenbar nutzten andere Länder die Obergrenze, um russisches Öl sehr günstig zu importieren.

Der nächste Schritt soll nun ein EU-Einfuhrverbot auch für russische Ölprodukte sein, dazu gehört beispielsweise auch Diesel. Es soll vom 5. Februar an gelten. „Da die Marktteilnehmer sich auf diese Umstellung vorbereiten, ist nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Dieselpreise zu rechnen“, meint Ölfachmann de la Rubia: „Aber ganz spurlos dürfte dieses Ereignis an den Dieselmärkten nicht vorbeigehen.“ Immerhin habe Deutschland im vergangen Jahr rund 18 Prozent des Dieselbedarfs mit Importen aus Russland gedeckt, die EU 11 Prozent.

Trotz des jüngsten Rückgangs kostet Diesel ohnehin immer noch mehr als unmittelbar vor dem Ukrainekrieg im Februar. Der Unterschied beträgt aktuell etwa 11 Cent je Liter. Super E10 dagegen ist mittlerweile sogar wieder etwas günstiger als damals. Allerdings: Im Vergleich zu früheren Jahren sind die Preise für beide Kraftstoffarten weiterhin hoch.

Source: faz.net