Wahl der RNC-Anführerin: Werden die Republikaner 2024 zusammenstehen?

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Auf dem Papier war es ein erfolgreicher Tag für Ronna McDaniel. 111 der 168 Mitglieder der republikanischen Parteiorganisation RNC stimmten am Freitag für die 49 Jahre alte Politikerin und machten sie ein viertes Mal zu ihrer Bundesgeschäftsführerin. Doch schon in McDaniels Dankesrede klang an, dass ihr Sieg kein ungetrübter war. „Es braucht alle von uns“, sagte sie, nachdem sie ihre beiden Herausforderer zu sich auf die Bühne gebeten hatte. Man habe die Stimme der Basis vernommen, sagte sie. Und fuhr umso nachdrücklicher fort: „Wenn wir zusammenstehen, dann werden die Demokraten das 2024 zu spüren bekommen.“

Sofia Dreisbach

Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

Es war da noch keine vier Wochen her, dass sich die Republikaner im Kongress vor aller Augen an die Gurgel gegangen waren. Und auch in der Parteiorganisation hatte es vor der Wahl heftig geknirscht. Hinter den Republikanern liegen drei enttäuschende Wahlen. 2018 verloren sie das Repräsentantenhaus an die Demokraten, bei der Präsidentenwahl 2020 dann gar das Weiße Haus und bei den Kongresswahlen 2022 reichte es nur für eine knappe Mehrheit in der Ersten Kammer. Und das, obwohl die Inflation auf einem Rekordhoch und Präsident Joe Biden unbeliebt war wie nie. Immer an der Spitze dabei: Ronna McDaniel. Es war das erste Mal in sechs Jahren, dass sie sich bei der Wahl ernsthaften Herausforderern stellen musste.

Trump hatte sich zurückgehalten

Die Amtsinhaberin hatte sich schon Wochen vor der Wahl in einem Brief die schriftliche Zustimmung von mehr als hundert RNC-Mitgliedern gesichert – weit mehr als für den Sieg nötig waren. Sie warb damit, die Partei zu einen. Ihre Unterstützer lobten die Erfahrung der bestens vernetzten Republikanerin; die Enttäuschungen der vergangenen Jahre seien nicht allein ihr anzulasten. Als Bundesgeschäftsführerin organisiert sie mit dem RNC unter anderem die Nominierungsparteitage für die republikanischen Präsidenten und Vizepräsidenten, unterstützt die Kandidaten in den Bundesstaaten und kümmert sich um das Eintreiben von Spenden.

McDaniel war im Jahr 2016 von Donald Trump für den Posten der RNC-Anführerin handverlesen worden und hatte sich in dessen Kampf gegen die vermeintlich „gestohlene“ Wahl 2020 an seine Seite gestellt. Doch der aggressive Wahlkampf um ihren Posten legte zu einem Teil auch die schwierige Beziehung der Republikaner zu ihrem früheren Präsidenten offen. McDaniel sah sich nicht etwa einem Trump-Gegner gegenüber: Beide Herausforderer waren Trump-Vertraute. Die Anwältin Harmeet Dhillon, die 51 Stimmen auf sich vereinte, hatte Trump bei der Vorladung des Ausschusses für den Sturm auf das Kapitol vertreten. Der Unternehmer und Verschwörungstheoretiker Mike Lindell, der nur vier Stimmen bekam, wiederholt seit 2020 gebetsmühlenartig Trumps Lüge vom Wahlbetrug.

Dhillon hatte vor der Wahl gesagt, der Kurs der Republikaner könne nur mit einem neuen Gesicht an der Spitze korrigiert werden. Sie sei jedenfalls nicht von einem bestimmten Präsidenten nominiert worden. Dhillon hatte heftig für sich geworben. Unterstützer machten Anrufe und verschickten Tausende E-Mails, um die 168 Mitglieder des RNC dazu zu bringen, sich von McDaniel abzuwenden. Dabei sprach sie Trump-Gegner wie Anhänger an. In letzter Minute hatte sich am Donnerstag auch der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis – sehr wahrscheinlich ein Konkurrent Trumps in der Präsidentschaftswahl 2024 – indirekt für die Anwältin ausgesprochen: Es brauche „frisches Blut“ und eine Veränderung in der Parteiorganisation. Sonst werde es schwer, Unterstützung und Spenden zu generieren.

Dhillon gab sich nach ihrer Niederlage am Freitag immer noch zurückhaltend. Sie sei bereit, die Risse in der republikanischen Partei zu bekämpfen, sagte sie vor Journalisten. „Aber die Versöhnung wird nicht über Nacht passieren.“ Dann fügte sie noch eine Spitze gegen McDaniel an: Wenn die Partei „völlig den Kontakt zur Basis verloren“ habe, dann gebe es viel zu tun. Vor der Wahl hatte sie für einen radikalen Neuanfang in der Parteiführung geworben. Trump selbst hatte vor der Wahl nicht Partei ergriffen. Am Freitag dann gratulierte er Ronna McDaniel zu ihrem Sieg. Nun gelte es, den „Wahlbetrug“ von Demokraten zu verhindern.

Source: faz.net