Nationalsozialismus: Evangelische Kirche räumt Schuld an Verfolgung von Sinti und Roma ein

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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich zur Schuld gegenüber den Sinti und Roma im Kontext von deren Verfolgung im Nationalsozialismus bekannt  einen verstärkten Einsatz gegen heutige Diskriminierungen der Minderheit angekündigt. “Die Evangelische Kirche hat an vielen Stellen in der Geschichte Schuld auf sich geladen”, sagte die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus laut einer Mitteilung in Berlin. “Sie war daran beteiligt, Menschen zu verraten und der Verfolgung und Vernichtung auszuliefern.”

Kurschus sagte anlässlich des Jahrestages der Gründung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma weiter: “Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Diskriminierung im Alltag von Kirche und Gesellschaft und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit insgesamt entgegenwirken.” Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma war im Februar 1982 gegründet worden. 1995 hatte er die gesetzliche Anerkennung als nationale Minderheit für die deutschen Sinti und Roma durchgesetzt.

EKD will sich gegen “antiziganistische Zerrbilder” einsetzen

Kurschus sagte, auch in der Kirche seien antiziganistische Stereotypen weitergetragen und Menschen in ihrer Würde verletzt worden. “Es ist wichtig, dass wir uns mit dieser bis in die Gegenwart reichenden Schuldgeschichte der Kirchen auseinandersetzen”, sagte sie. Konkret will sich die EKD der Ankündigung zufolge im Bildungsbereich gegen “antiziganistische Zerrbilder” einsetzen und die Teilhabe von Sinti und Roma in politischen und gesellschaftlichen Institutionen unterstützen.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma würdigte es der Mitteilung zufolge als “historisch”, dass die Evangelische Kirche – auch anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar – die Erklärung zur Ächtung von Antiziganismus abgab. “Die EKD setzt damit ein starkes Zeichen, um den seit Jahrhunderten tief in unserer Gesellschaft verankerten Antiziganismus zu ächten und um das Bewusstsein in Kirche und Gesellschaft über den Holocaust an 500.000 ermordeten Sinti und Roma im NS-besetzten Europa zu stärken”, sagte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose.

Sinti und Roma waren von den Nationalsozialisten ab 1933 schrittweise ausgegrenzt, entrechtet und mit systematischer Planung ermordet worden. Kirchenvertreter halfen bei der Aussonderung der Opfer mit. Nach der Gründung der Bundesrepublik war der Völkermord an der Minderheit der Sinti und Roma jahrzehntelang geleugnet worden. Auch die Kirchen erkannten den Völkermord an den Sinti und Roma lange nicht an.