Rod Stewart booed at live performance for criticising Putin | EUROtoday

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Bis zu 12.000 Menschen passen in die Arena Leipzig, die auch nach dem Namenssponsoring durch eine Immobilienfirma vom Volksmund einfach nur „Arena“ genannt wird. Als Rod Stewart hier am vergangenen Freitagabend auftritt, ist die Halle bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Es scheint eine verlässlich gute Veranstaltung zu werden. Der Schotte ist Profi genug, um die Lieder seines aktuellen Albums vor dem Start des Konzerts durch die Lautsprecher dudeln zu lassen. Die Leute wollen nichts Neues – Stewart hat zuletzt durchaus passabel den Swing neu entdeckt –, sondern die alten Hits.

Sein Publikum ist mitgealtert

Das Publikum in der Halle ist zu weiten Teilen mit dem 79-jährigen Sänger mitgealtert. Viele erinnern sich noch, wie damals „Baby Jane“, „The First Cut Is The Deepest“ und „Da Ya Think I´m Sexy?“ herausgekommen sind. Ganz sicher fällt jedem Zweiten eine Story ein, wie er damals trotz innerdeutscher Grenze und Ost-Mark an die begehrten Platten gekommen ist.

Zur gewohnten Reibeisenstimme und der reichlichen Portion Nostalgie gibt es jede Menge Pailletten an kurzen Röcken und schrillen Anzügen – kurz: Stewart liefert und niemand hat etwas anderes erwartet.

Plötzlich trägt er die ukrainische Flagge

Aber dann wechselt er wieder mal den Anzug und steht plötzlich als ukrainische Flagge verkleidet auf der Bühne. Das Lied „Rhythm of My Heart“ widmet er dem notleidenden Volk im Osten, auf die Leinwand gebannte Impressionen vom Krieg illustrieren seinen Gesang. Stewart wirft sich in Pose, er tanzt, legt alles in seine Stimme – doch das Publikum klatscht nicht mehr mit. Die Verbindung zur Bühne ist abgerissen, seit Stewart das Lied mit „Fuck Putin“ eröffnet hat. Als gegen Ende die ukrainische Flagge über ihm weht und zuletzt noch ein Bild von Wolodymyr Selenskyj erscheint, heulen die Pfiffe und Buh-Rufe.

Der routinierte Entertainer schaut einen Moment irritiert ins Publikum. Was zuvor in Kopenhagen und Amsterdam funktioniert hat, klappt hier nicht. Stewart kann in Leipzig die Sympathie für ihn nicht mit einer politischen Botschaft verknüpfen. Das mitteldeutsche Publikum, das bei den letzten Wahlen die AfD und das BSW stark gemacht hat, die beide Waffenlieferungen an die Ukraine ablehnen, kann sich nicht einmal zum Wunsch nach Frieden durchringen.

Nicht mit dem vermeintlichen Kriegstreiber Selenskyj auf der Leinwand. Nicht durch Rod Stewart, der gerade noch so hoch im Kurs stand. Der Sänger schaut traurig in die Menge und murmelt „Thank you for being so kind.“ Ein Kompliment, das zur Floskel geraten ist. Dann schüttelt er sich aus der Starre und stimmt eilig das nächste Lied an, bevor er zwei Lieder später in einen schwarzen Anzug wechselt.

Trotzdem braucht der Las Vegas gewohnte Entertainer eine gute halbe Stunde und eine Handvoll wirklich großer Hits, bis er das Publikum wieder auf seiner Seite hat. Als Zugabe bringt er „Sailing“ und liefert damit einen versöhnlichen Ausklang. Dann bleibt der Vorhang gnadenlos unten.

Zum letzten Mal war Stewart in Leipzig, es ist seine Abschiedstournee. Er wird das hiesige Publikum wohl kaum vermissen.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/rod-stewart-bei-konzert-wegen-putin-kritik-ausgebuht-19791833.html