Joke van Leeuwen's Children's Novel Ich am right here | EUROtoday

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Jona weiß sich schon zu helfen, da ist sich ihr Vater sicher. Und Jona weiß, dass er sich sicher ist: so sicher, dass er es den anderen bestimmt gesagt hat, als es darum ging, wer zuerst gerettet werden soll. Vielleicht werden deshalb erst die Leute gerettet, die sich nicht zu helfen wissen. Bestimmt ist das der Grund dafür, dass Jona die ganze Nacht allein auf dem Dach des Hochhauses ausharren musste, das aus den Fluten ragt, unter denen jetzt das Städtchen Wolem liegt.

Es ist ein furchtbares Szenario, das die niederländische Kinderbuchautorin Joke van Leeuwen ihren jungen Lesern zumutet, ein regelrechter Albtraum, wie er sich in Dystopien für Jugendliche finden mag, kaum aber in Büchern für ein Publikum von acht Jahren an. Ein ziemlich langer Albtraum ist es noch dazu: Drei weitere Nächte folgen auf die erste, bevor Jona schließlich doch gerettet wird.

Es steckt zwar einiges an Zutrauen in den Worten des Vaters, aber – das erzählt van Leeuwen sorgfältig zu Beginn ihres Kinderromans „Ich bin hier!“ – sie entstammen auch einer Mischung aus Unbeholfenheit und Desinteresse. Schließlich hatte er am Sterbebett der Mutter auf deren Bitte, gut für Jona zu sorgen, geantwortet, er werde natürlich weiter arbeiten. Schließlich darf sie nur deshalb nach der Schule in sein Büro in den elften Stock kommen, um dort lediglich mit einem Nicken begrüßt zu werden, weil sie immer „schön still“ ist.

Fotos gegen die Einsamkeit

Beim gemeinsamen Essen erzählt der Vater Jona dann im Anschluss an die unausweichliche Frage nach der Schule zum Beispiel, wie es um ihren Heimatort steht: gebaut wie auf dem Grund eines tiefen Tellers, in den irgendwann das Wasser schwappe. Aber keine Angst: „Das wissen wir bestimmt rechtzeitig. Das kommt schon in Ordnung. Das wird schon geregelt.“

Doch als Jona eines Tages die Treppe zum Dach entdeckt hat, als sie dort oben versehentlich eingeschlafen ist und wieder aufwacht, steht das Wasser bis zum zweiten Stock, und in den 28 Stockwerken darüber ist nur noch sie. Also zeigt das Mädchen, das seine Leser zuvor als eigensinnig, leicht verspielt-versponnen – und einsam – kennengelernt haben, dass sie sich zu helfen weiß.

Zwar flitzt sie auch mit einem Chefsessel auf Rollen über den Flur, zwar liegt sie unter der farbigen Glasplatte eines Sitzgruppentischchens und schaut sich die Welt aus dieser Perspektive an, bastelt sie mit einem Gummihandschuh aus der Kantine im 17. Stock einen Gesprächspartner zum Bauchreden und sammelt auf den Schreibtischen nett aussehende Fotos zusammen, damit sie nicht so einsam ist. Aber sie sorgt auch für sich: findet in der Kantine Essbares, in den Büros Kissen, bei einem Regenschauer die Gelegenheit, ihre Kleidung und schließlich auch sich selbst zu waschen.

Von der Relativität der Zeit

Und wichtiger noch: Sie kümmert sich auch sofort darum, dass sie gefunden werden kann. Im untersten trocken gebliebenen Stockwerk verteilt sie Zettel mit dem Hinweis, dass sie auf dem Dach ist. Oben soll zunächst ein langer Mantel als Signal im Wind flattern. Dann formt Jona aus Unmengen von Zuckerwürfeln in stundenlanger Arbeit die Wörter „ich bin hier!“, die man sogar vom Flugzeug aus lesen können müsste. Dann, nach einer Regennacht, rekonstruiert sie die Buchstaben mit einem bunten Gemisch aus wetterfesten Fundstücken von unten.

Joke van Leeuwen: „Ich bin hier“. Roman. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2024. 120 S., geb., 15,– €. Ab 8 J.
Joke van Leeuwen: “I’m right here”. Novel. Translated from the Dutch by Hanni Ehlers. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2024. 120 pp., hardcover, 15,– €. From 8 years.Gerstenberg Publishing

When a aircraft lastly arrives however turns away once more, Jona's bravery and resourcefulness are at their limits. Fortunately, it isn’t lengthy till she is rescued. Joke van Leeuwen exhibits how lengthy a time of ready, a time of hope, will be in lots of small moments, in thought video games, which all lead again to the concern of not being discovered quickly, or maybe not being regarded for in any respect, and to the appeasement of this fear. Without the high quality stability of the scenes, the rhythm of heavy and light-weight, through which the various drawings of the writer and illustrator, who was born in The Hague in 1952, play a big half, the story might simply have turn out to be an excessively miserable learn.

So “I am here!” is a celebration of self-assertion and self-confidence: an encouragement – not least to take a step that Jonas' father definitely didn’t imply when he praised his daughter's independence. Jonas is aware of find out how to assist herself by ignoring his guidelines, the foundations of dwelling with him in an emergency, as carelessly as she does intentionally.

Joke van Leeuwen: “I'm here”. Novel. Translated from Dutch by Hanni Ehlers. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2024. 120 pp., hardcover, 15,– €. For ages 8 and up.

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