The ECB and the local weather: progress for a undertaking of the century | EUROtoday

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Es ist in der Notenbank selbst nicht unumstritten, dass Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), einen stärkeren Fokus auf den Klimaschutz legt. „Sekundärziele“ nennen sich jene Politikfelder der Europäischen Union, die von der Notenbank unterstützt werden dürfen, wenn deren Primärziel, die Geldwertstabilität, dadurch nicht in Gefahr gerät. Die Bekämpfung des Klimawandels wurde als Sekundärziel offiziell in den sogenannten geldpolitischen Handlungsrahmen, so etwas wie der Fahrplan der Notenbank, aufgenommen.

Daneben sei ein Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels, der grünen Transformation und möglicher Klimarisiken aber auch zur Erfüllung des Primärmandats, der Preisstabilität nötig, argumentiert die EZB-Präsidentin.

99 Prozent der geldpolitischen Wertpapiere abgedeckt

Schon zum zweiten Mal hat die EZB im Zuge dieser Pläne jetzt eine Offenlegung („Disclosure“) der Klimafolgen ihres eigenen Tuns veröffentlicht. Dabei geht es um die Wertpapiere, in die sie investiert hat, und hinter denen Unternehmen und Staaten mit ihren CO2-Emissionen stehen. Gegenüber der ersten Offenlegung wurde die Zahl der betrachteten Wertpapiere deutlich erweitert und soll jetzt 99 Prozent der geldpolitischen Wertpapierbestände des Eurosystems mit einem Nominalwert von 4,486 Billionen Euro abdecken.

Die Grundtendenz des Berichts: Es hat deutliche Fortschritte hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks der EZB-Anleiheportfolios gegeben. „Die mit den Portfolios des Unternehmenssektors verbundenen Kohlenstoffemissionen sind weiter zurückgegangen“, schreibt die Notenbank. Der größte Teil dieses Rückgangs sei allerdings darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen selbst kohlenstoffeffizienter geworden sind. Dagegen, so schreibt die EZB, „ist etwa ein Fünftel des Emissionsrückgangs in den Jahren 2022 und 2023 ist auf die Bemühungen des Eurosystems zurückzuführen, Reinvestitionen auf Emittenten mit besserer Klimabilanz zu verlagern.“

Dieses sogenannte „Tilting“, die Neuanlage von Geld aus fällig gewordenen Anleihen unter Klimagesichtspunkten, erfolgte nach drei Kriterien: den Treibhausgasemissionen eines Unternehmens, seinen Plänen zur Verringerung derselben und der Offenlegung des Ist-Zustands. Das Ganze habe funktioniert, hob Lagarde hervor: Die Zahlen zeigten, dass das Tilting „die angestrebten Ergebnisse erreicht“ habe.

Offenbar schon im Mai hat der EZB-Rat nun beschlossen, ausdrücklich Ziele für die weitere Reduzierung des CO2-Fußabdrucks der Unternehmensanleihen festzulegen. Die Ziele sollten zunächst nicht veröffentlicht werden, so die EZB: „Werden Abweichungen vom angestrebten Zielpfad festgestellt, werden im Rahmen des Mandats des EZB-Rats von Fall zu Fall Abhilfemaßnahmen geprüft.“

Hier stellt sich die Frage, wie es weitergeht, wenn die Notenbank vom Jahresende an gar keine Anleihen mehr in ihrem Anleihekaufprogramm PEPP ersetzt; im längerfristigen Programm APP waren die Reinvestitionen schon eingestellt worden. Zu den Möglichkeiten, die geprüft werden, gehört offenbar auch eine Umschichtung von Anleihebeständen nach Klimakriterien. Das würde allerdings den Verkauf von Anleihen vor der Fälligkeit bedeuten; mit der Folge, dass für Anleihen, die nicht nach dem Marktwert, sondern zu fortgeschriebenen Anschaffungskosten in den Büchern der EZB und der nationalen Notenbanken stehen, dann Kursverluste realisiert würden. Das könnte die vorhandenen Verluste der Notenbanken noch höher ausfallen lassen.

Ungewöhnliche Entwicklung beim Eigenmittelfonds

Ein interessante Paradoxie ergibt sich für die nicht-geldpolitischen Anleihebestände der EZB, genauer den rund 22 Milliarden Euro schweren „ECB Own Funds“. In diesem befinden sich viele Staatsanleihen. Anders als bei Unternehmensanleihen gibt es dafür weniger klare Maßstäbe für die Unterscheidung zwischen „grünen“ und „braunen“ Anleihen. In der Konsequenz hat die EZB hier vor allem den Anteil der von den Staaten selbst explizit als „grüne Anleihen“ ausgegebenen Papiere erhöht. Dabei hat sie bewusst auch Anleihen solcher Staaten gekauft, die noch vergleichsweise hohe CO2-Emissionen haben. Die Überlegung war, die grüne Transformation dort zu unterstützen, wo es besonders nötig ist.

Die Folge aber ist, dass sich der CO2-Fußabdruck dieses EZB-Portfolios insgesamt nicht verbessert hat – sondern sogar schlechter wurde.

Besonders radikal hat die Notenbank die Klimakriterien offenbar beim Pensionsfonds für ihre Mitarbeiter angewendet. Der Anteil der Papiere von Unternehmen rund um Öl, Gas und Kohle wird nun mit „weniger als 0,1 Prozent“ beziffert, nach 3,9 Prozent im Jahr 2022. Im Gegenzug haben sich die Investments in Papiere rund um alternative Energiequellen deutlich erhöht. Hier gibt es öffentliche Klimaziele, wie EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hervorhebt: Der CO2-Fußabdruck der Unternehmensanleihen dieses Portfolios soll jährlich um mindestens 7 Prozent reduziert werden.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fortschritte-fuer-ein-jahrhundertprojekt-19813509.html