New KIZ Album “Görlitzer Park” | EUROtoday

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Görlitzer Park“: So em­blematisch prangt der Schriftzug über dem Parkeingang vom Plattencover, dass man beinahe glaubt, er gehöre da hin und sei nicht eigens für das neue Album der Kreuzberger Rapcrew K.I.Z ins Bild gezaubert worden. Selbst als Berliner muss man sich auf Google Streetview vergewissern. Für ihr neues Werk zeichnen K.I.Z den Görlitzer Park als Symbolort nach. Im Kleinen: als Ort, der für das eigene Aufwachsen steht, für Jugendträume, für Erfahrungen mit Gewalt und harte Großstadtmänner-Sozialisierung. Aber auch für sozialen Aufstieg und Erfolg. Und im Großen: als Ort, an dem verschiedene Realitäten aufeinanderprallen, als Schauplatz von Armut und Gentrifizierung, vielleicht auch als Sinnbild für ein Berlin, das allmählich verschwindet.

Google Streetview braucht man, sobald der erste Song läuft, nicht mehr. Wie eine Kamerafahrt bewegen sich die Zeilen des Opener-Tracks durch die Straßen, Plätze und Hinterhöfe des Wrangelkiezes: „Görlitzer Park, Görlitzer Park/ Im Müll sucht ein alter Mann grade nach Pfand/ Ein Irrer führt Selbstgespräche im Wahn/ Er schreit jemand an, den nur er sehen kann/ Görlitzer Park, im Herzen der Stadt/ Die Falckensteinstraße ist Westafrika/ Die Dealer am hustlen bei Tag und bei Nacht/ Nur die Härtesten hab’n es bis hierhin geschafft/ Überlebten das Meer, den libyschen Knast.“

„Ach krass, ist ja doch nur ein Park“

Klar wird also schon im ersten Song: Symbolort ist der Görlitzer Park nicht nur für K.I.Z. „BZ-Schlagzeil’n, was hab’n wir gelacht/ Selbst Leute vom anderen Ende der Stadt/ Sagen: Ach krass, ist ja doch nur ein Park.“ Wurde vor einigen Jahren noch der „Kotti“ zur „No-go-Area“ hochstilisiert, so ist es aktuell der „Görli“, um den der Senat – ebenfalls hochsymbolisch – einen Zaun ziehen möchte, damit er zu einem sicheren Ort für die Berlinerinnen und Berliner wird.

Um welche Berlinerinnen und Berliner es dabei vermutlich nicht geht, das erzählen die Rapper Maxim, Tarek und Nico auf ihrem Album. Hier werden jene Perspektiven eingenommen, die man sonst nur aus der Distanz, sozusagen von hinter dem Zaun kennt: Drogendealer, Obdachlose, Alkis, Verrückte und alle, die sich zwischen ihnen bewegen. Während K.I.Z auf ihren früheren Alben vor allem für provokanten Spaß-Rap bekannt waren, Gesellschaftskritik und eigene Erfahrungen immer nur durch den Ironiefilter zuließen, wirken sie auf ihrem neuen Album ungewohnt nahbar. Die Stimmung ist melancholisch, das Thema nostalgisch durchdrungen. Die Produktionen klingen nach Hip-Hop, sind dabei aber angenehm vielseitig, weiche Synthie-Melodien und schnelle Drums erinnern im Soundbild manchmal, vielleicht unerwartet, an die Neue Deutsche Welle (das Genre, nicht den Fler-Song).

Die Songs erzählen von schönen Jugenderinnerungen („Vierspur“), aber auch von sozialem Außenseitertum („Sommer meines Lebens“), verpasstem Glück („2001“, „Jahrmarkt“) und immer wieder von Gewalt. Es scheint überhaupt keine nostalgische Erinnerung zu geben, die nicht darin mündet, dass man am Abend doch noch von irgendjemandem gejagt wird, der stärker ist: seien es Nazis, persönliche Feinde oder die Polizei. Die schönste Phantasie, die sich der jugendliche Maxim vorstellen kann: mit seinem Crush am 1. Mai von der Polizei eingekesselt zu werden und sich beim Wegrennen in einem Hinterhof zu küssen („2001“). Ein Date von Tarek wird von Nazi-Schlägern beendet: „Und der eine sagte noch: Ihr seid ein süßes Paar/ Bevor der Schlagring mir den Kiefer brach“ („Jahrmarkt“).

Wie lässt sich eine Jugend romantisieren, in der Gewalt immer wieder das kleine Glück zunichtegemacht hat? Eine einfache Verklärung, eine ironische Brechung versagen sich K.I.Z diesmal. Der Reflex, alles wieder ins Lächerliche zu ziehen, wird lieber beschrieben: „Das ist kein Heimweg, das ist eine Mutprobe/ Mein Bruder hatte den Abdruck einer Schuhsohle/ Auf der gebrochenen Nase, weil er zu langsam war/ Und heute lache ich drüber, hahahaha/ Spaß, tu’ ich nicht, ich hab ’ne Macke davon/ Ich könnt gerne drauf verzicht’n, von der Straße zu komm’n.“

It is exactly these ambivalences that characterize the album. This can be evident when KIZ admit within the second half that they themselves at the moment are among the many social winners – though that is precisely what they at all times wished to keep away from. There can be a contact of “survivor guilt” when Maxim raps: “Görlitzer Park, Görlitzer Park,/ The condo will soon be paid off/ And is very similar/ To those apartments that I used to throw paint bags at as a teenager/ (…)/ I'm a 36 native/ But I look like a tourist in Görlitzer Park.”

Here and there, the KIZ-typical humor nonetheless finds its place. It's simply extra delicate, nevertheless it fits it effectively. And for followers of the early days who miss the outdated type, the group has launched a second 16-track companion album entitled “KIZ and the Attack on the U8”. It is exactly in distinction to this that the qualities of “Görlitzer Park” change into obvious. Although the matters are very related, the extra album presents them in an ironic, slapstick method within the outdated KIZ type. “Görlitzer Park” doesn’t inform of matters comparable to masculinity or violence within the mode of (self-)accusation, as is common, however from the attitude of 1's personal involvement within the buildings of violence. Perpetrator and sufferer can’t at all times be clearly separated; perpetrators additionally change into perpetrators so as to keep away from being victims.

This ambivalence is partly misplaced when KIZ attempt to make the leap to the world political stage. The track “Frieden” particularly induced discussions as a single and was criticized as a pro-Russian soundtrack for peace demonstrations in view of the Ukraine conflict. But KIZ are usually not making an attempt to know Putin. “We dream of peace” sounds precisely like that as of late: like a dream. And as a distinction program in the course of a dialogue in regards to the deportation of able-bodied Ukrainian males from Germany, it definitely has a proper to exist.

Just a little unease stays, nevertheless: those that dream of peace ought to maybe not rap about youth solo performances on the anniversary of the Intifada on the identical album with none context or noticeable distance. The hook, which criticizes the concept “We dream of peace, but first we have to win,” might have extra reality on this context than supposed.

A secret spotlight and even perhaps a hidden trace for interpretation is the final track on the accompanying album. It begins by parodying the generally unique bourgeois enthusiasm for rap music in a kids's track: “Friends, let me tell you / About exotic sounds and coarse customs / About rebels like Baudelaire and Rimbaud / Who wants another glass of Pinot? / This borderline experience has revitalized me / What's up, François? You seem irritated / There was already violent language in the Bible / Come on, let's write an article for the arts section with the title: We were at a rap concert / Listened to wild spoken word.”

At the identical time, the opposite excessive can be eradicated, the reflexive alienation from the rap style: The track (and thus the album) ends with a monologue. “Yes, François,” it says, “you're right, what these artists say is open to criticism.” And then: “It's the conditions that should outrage us. The misery! La misère! The misery is the scandal and not the behavior of the miserable.” These sentences may be used as a motto for “Görlitzer Park,” nailed in gold letters to the doorway to the park. But that will be an excessive amount of of a transparent assertion for KIZ.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/neues-k-i-z-album-goerlitzer-park-19820676.html