Art and soccer with Dejneka’s “Goalkeeper”, 1934 | EUROtoday

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Der Fußball veranschaulichte in der nachrevolutionären russischen Kunst das im sowjetischen Neuen Menschen freigesetzte Potential. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren schufen figurative Künstler wie Alexander Dejneka (1899–1969), Juri Pimenow (1903– 1977), aber auch der ukrainischstämmige, vormals abstrakte Bildhauer Iossif Tschaikow (1888–1979) in heroisierender Untersicht Bilder trainierter, sich durch Körperkraft vom Erdboden losreißender Menschen und vergegenwärtigten so Kampfgeist, Gemeinschaftssinn, zugleich jedoch den Traum vom Fliegen.

Für Dejneka wurde der Fußball ein Lebensthema und der Sport überhaupt zu einer Art Utopie. Der 1899 im zentralrussischen Kursk geborene Künstler wuchs als Sohn eines Eisenbahnschlossers in dörflichen Verhältnissen auf, als Kind habe er sich oft schlagen müssen, bezeugte Dejneka, der in jungen Jahren Profiboxer war. Er spielte aber auch leidenschaftlich Fußball und bekannte sich noch in seinem Selbstbildnis von 1948, als Stalins antikosmopolitische Kampagne startete, als halb nackter, gut gebauter Fastfünfziger nach dem Boxtraining zum Sport als Lebensform.

Dejneka, der während des Ersten Weltkriegs seine künstlerische Grundausbildung im ukrainischen Charkow absolvierte, kämpfte während des sich anschließenden Bürgerkriegs aufseiten der Bolschewiki an der Propagandafront. Seine Plakate, bei denen er sich von der eingängig-zupackenden Ästhetik des von ihm bewunderten Wladimir Majakowski inspirieren ließ, verhöhnen Kapitalisten, Popen und fromme Mütterchen, feiern hingegen die abfahrtskilaufende oder sprintende Jugend sowie in Arbeiterklubs umfunktionierte Kirchengebäude. Den an der Avantgardistenschmiede WChUTeMas ausgebildeten Maler, der sich als Gründungsmitglied der Gruppe OST aber zur figürlichen Darstellung bekannte, beeinflussten die analytischen Bildfolgen des Films, die monumentalen Symbolkörper eines Ferdinand Hodler, aber auch der Technorealismus der Neuen Sachlichkeit.

Das Fußballspiel als sakraler Akt

Das erste internationale Fußballspiel in der jungen UdSSR 1924, bei dem die Gastgeber in Moskau die Mannschaft der Türkei mit 3:0 schlugen, animierte Dejneka auch zu seinem ersten Fußballgemälde, das sich heute in einer Londoner Privatsammlung befindet. Wie die abstrahierten Athletenkörper, von denen einer in zwei Bewegungsphasen erscheint, auf zwei Diagonalen auf weißem Malgrund um den Ball zu schweben scheinen, das vergegenwärtigt das Spiel als einen nahezu sakralen Akt, der die Gravitationsgesetze außer Kraft setzt.

In zahlreichen sowjetrussischen Fußballbildern jener Aufbruchszeit hängt das runde Leder nahe am oberen Bildrand, als veranschaulichten die Künstler den von Michail Matjuschins futuristischer Oper ausgerufenen und von Kasimir Malewitschs „Schwarzem Quadrat“ illustrierten „Sieg über die Sonne“ in konkreter Abbildlichkeit. Dejnekas 1932 entstandener „Fußballspieler“ schwebt vor dem Hintergrund eines Kirchturms dem ihm soeben emporgekickten sonnenhaften Ball himmelwärts entgegen. Auch Juri Pimenow lässt in seinem sechs Jahre älteren Bild drei Fußballer über einem extrem abgesenkten Horizont dem Ball nach ins blaue Firmament springen.

Spätwerk des Sportutopisten: Alexander Dejneka schnitzte seine Holzskulptur „Fußball“ 1950.
Late work of the sports activities utopian: Alexander Dejneka carved his picket sculpture “Football” in 1950.Valeri Belenkow

This self-delimitation was, in fact, additionally uncanny for some. In 1926, the avant-garde poet Nikolai Zabolotsky (1903–1958) wrote the surreal poem “Football,” wherein a triumphant striker shoots the ball throughout rivers, seas, and snowy plains—and realizes too late that it’s his personal head.

Since it grew to become clear within the Twenties that the Russian Revolution had not caught on within the West, however that socialism needed to be in-built one nation, the more and more neoclassical Soviet artwork glorified athletes as defenders of the fatherland. Dejneka's “Goalkeeper”, painted in 1934 in an excessive panorama format, emphasizes the proximity of even the sky to the bottom by the sandy colours. And the truth that his monumental determine flies from behind throughout your complete width of the image to fend off the ball that slips out of the image additionally illustrates the acute vastness of the nation, which requires the utmost effort to combat again in opposition to invaders. Since its aggression in opposition to Ukraine, Russia has stylized itself as a defensive pressure in opposition to alleged advances by the decadent West, drawing on the biblical time period katechon (restrainer), which the favored Russian political thinker Carl Schmitt had already used as an authoritarian political order in opposition to the forces of chaos.

In 1950, the late Dejneka carved the picket sculpture “Football,” which allowed the athletic sky tower to emerge from the standard forest tradition: three gamers, who is also three phases of motion, spiral as much as a refined sphere that crowns them like a three-dimensional nimbus.

Previously printed within the sequence: Horst Bredekamp“The corner as a microcosm. Raoul Keyser's 'chalk line corner' from 1977”, Georg Imdahl“The Zebras today in red. Konrad Lueg's 'Football Players' from 1934”, Lutz Engelke“A game of life and death. Umberto Boccioni's 'Dynamics of a Football Player' from 1913”, Manuel Neukirchner“Miró’s premonition of fate. Joan Mirò’s slip on a burning football field in 1939”.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/em-kolumne-kunst-und-fussball-mit-dejnekas-torwart-1934-19828140.html