When the railway nonetheless transported miracles | EUROtoday

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Ihr Name wirkt wie von der katholischen Filmbildstelle erfunden. In ihrer berühmtesten Rolle, als Eve Kendall in Hitchcocks „North by Northwest“, spielte Eva Marie Saint eine Frau, deren Beruf die Täuschung ist, die es aber nach wenigen Worten mit Cary Grant ganz offen auf die gemeinsame Nacht hinauslaufen lässt. Im Zug von New York nach Chicago drängte die Agentin ihm ihr Hochbett geradezu auf. Das war 1959. Sie sei sechsundzwanzig, ließ Hitchcock sie in diesem Film der Verstellungen und Fälschungen lügen. Sie war fünfunddreißig.

Deshalb wird sie heute fabelhafte einhundert Jahre alt. Damit ist Saint die älteste lebende Oscar-Preisträgerin. Denn einen Oscar besaß sie schon, als sie sich Roger O. Thornhill (Cary Grant) angelte. In Elia Kazans „On the Waterfront“ (dt. Die Faust im Nacken), ihrem ersten Kinofilm, hatte sie an der Seite von Marlon Brando zwar die weibliche Hauptrolle. Aber Produzent Sam Spiegel reichte sie bei den Oscars nur für die beste Nebenrolle ein, damit sie weder mit der diensthabenden blonden Schönheit Grace Kelly noch mit Audrey Hepburn konkurrieren musste, und so holte sie die Trophäe in der kleineren Kategorie.

Großes Rollenspektrum

Eva Marie Saint verfügte über ein großes Rollenspektrum. Sie spielte 1956 in der Gershwin-Komödie „That Certain Feeling“ nonchalant die Privatsekretärin und Verlobte eines berühmten, jedoch allmählich am Publikum vorbeischreibenden Comic-Zeichners, die ihren Ex-Mann als Lückenbüßer engagiert, woraus sich die üblichen Verwicklungen ergaben. Unter der Regie von Fred Zinnemann folgte im Jahr darauf die Rolle als lange ahnungslose Ehefrau eines morphiumabhängigen Kriegsveteranen in dem qualvoll-eindrücklichen „A Hatful of Rain“. Nach dem dreieinhalbstündigen Schinken „Exodus“ (1960) von Otto Preminger, den sie mit Paul Newman drehte, kamen dann viele Fernsehrollen, die nicht erinnert werden müssen, aber auch der Western „The Stalking Moon“, den sie 1968 zusammen mit Gregory Peck drehte.

Kazan, Zinnemann, Hitchcock, Preminger. Brando, Grant, Newman, Peck. Eva Marie Saint hat nicht viele Filme gedreht, aber wer würde sagen, sie habe eine schlechte Auswahl getroffen.

Die Hauptrolle in „Grand Prix“, einem Formel-1-Film von 1966 mit James Garner und Yves Montand, den John Frankenheimer abdrehte, dürfte sich vor allem finanziell gelohnt haben. Im Gedächtnis wird sie uns aber immer als lasziv-kontrollierte Eve Kendall bleiben. Bei Hitchcock mussten viele Schönheiten leiden, er hat sie gerne drangsaliert: Grace Kelly, Kim Novak, Vera Miles, Tippi Hedren. Eva Marie Saint beließ er die sou­veräne Geste. „Der Zug ist ein bisschen wackelig“, sagt Cary Grant, „Wer nicht?“, antwortet sie.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/eva-marie-saint-zum-100-geburtstag-als-die-bahn-noch-wunder-transportierte-19831521.html