Barclayscard disappears – 2.5 million prospects affected | EUROtoday

Get real time updates directly on you device, subscribe now.

Der deutsche Kreditkartenmarkt bleibt weiter in Aufruhr: Nachdem die Kreditkarte von Amazon, der Deutschen Bahn und Tchibo eingestellt wurde, die ADAC-Kreditkarte zu Solaris gewandert ist und das Miles & More-Programm der Deutschen Lufthansa demnächst von der Deutschen Bank verwaltet wird, trifft es nun wieder Millionen von Kunden: Das hiesige Geschäft der britischen Großbank Barclays wird an die Bawag Group verkauft. Das betrifft immerhin 2,5 Millionen Kundinnen und Kunden in Deutschland.

Der Ableger war mit 700 Mitarbeitern seit mehr als 30 Jahren in Deutschland von Hamburg aus aktiv. Die Bawag wird alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen, wie der neue Eigentümer auf Anfrage der F.A.Z. sagte. Wie es nun mit den Produkten von Barclays genau weitergeht ist noch unklar. Fest steht: Die Marke wird vorerst beibehalten, aber mit der Übernahme auslaufen, sagte ein Sprecher. Die Übernahme des Geschäfts soll spätestens im ersten Quartal 2025 abgeschlossen sein, unterliegt aber noch den üblichen regulatorischen Genehmigungen. Vorerst soll sich laut der Bawag für Kunden nichts ändern, alle bestehenden Produkte behalten ihre Konditionen. „Unser Fokus liegt darauf, das Kerngeschäft der Barclays gut in die Bawag einzubetten und gleichzeitig die Kultur, das Wissen und die Produkte der Barclays Consumer Bank Deutschland zu erhalten“, sagte der Sprecher.

Die Wiener – immerhin das viertgrößte Geldinstitut Österreichs – wollen mit dem Zukauf ihr Geschäft weiter ausbauen. Die Vermögenswerte von Barclays betrugen den Angaben zufolge Ende März 2024 rund 4,7 Milliarden Euro und bestanden vor allem aus Karten- und Kreditforderungen. Die Bawag erwartet durch den Erwerb einen Beitrag zum Ergebnis vor Steuern von mehr als 100 Millionen Euro im Jahr 2027. Dann soll die Transaktion vollständig integriert sein. Die Übernahme unterliege den üblichen Bedingungen – dazu gehören auch die noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen – und könnte voraussichtlich spätestens im ersten Quartal 2025 abgeschlossen sein. Früheren Angaben zufolge hoffte Barclays auf einen Verkaufspreis von rund einer halben Milliarde Euro. Selbst teilte der Bawag-Finanzvorstands Enver Sirucic mit, es gebe keinen klaren Preis für die Übernahme. „Es gibt keinen eindeutigen Kaufpreis, wir übernehmen alle Verbindlichkeiten und alle Vermögenswerte“, erklärte er in einer Telefonkonferenz.

Kreditkartengeschäft ist gefährliches Terrain

„Diese Übernahme passt strategisch sehr gut zu uns, und zwar in Bezug auf das Produktangebot, die Marktpräsenz, den Kundenstamm und die Belegschaft in Hamburg, die vor allem eine starke Expertise im Kreditkartengeschäft einbringt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bawag, Anas Abuzaakouk. Das Geschäft mit Konsumentenkrediten wird als sehr margenträchtig und vergleichsweise risikoarm gesehen, erklärt Hans-Joachim Lefeld, Partner bei der Beratung LPA: „Für Investoren ist das Feld spannend“, sagte der Fachmann.

Doch trotzdem wagen sich die Wiener damit in Deutschland auf gefährliches Terrain vor. Denn zumindest das Kreditkartengeschäft hierzulande steht stark unter Druck. Die Anzahl der Kreditkarten in Deutschland sinkt seit Jahren, viele Angebote wurden eingestellt. Grund dafür ist die gedeckelte Gebühr für Kreditkartenzahlungen, so dass sich viele Angebote schlicht und einfach nicht mehr lohnten. Dennoch sagt Lefeld, dass „der deutsche Retailmarkt für ausländische Banken trotz hohem Wettbewerbs sehr attraktiv ist – wenn auch zunehmend umkämpft“. Dies zeige sich auch dadurch, dass JP Morgan und BBVA vom kommenden Jahr an in den Markt einsteigen wollen. Die Briten wollen sich dagegen auf Unternehmenskunden und Investmentbanking fokussieren, sagt Lefeld.

Dazu passt: Die Bawag ist auf dem deutschen Markt schon seit ein paar Jahren aktiv und hat hier auch die Südwestbank gekauft. Diese hat auch Erfahrung in Konsumentenkrediten. Aber in der aktuellen Transaktion spielt die Südwestbank keine Rolle, sagt der Sprecher. Auch steht die Bank selbst etwas unter Druck. Der aktivistische Investor Petrus Advisers mahnte schon mehrmals an, dass die Bank 600.000 ihrer einst 2,5 Millionen Kunden verloren hat und fordert Transaktionen, um wieder Kunden dazu zu gewinnen. Dies erklärt auch den – gemessen an der Börsenbewertung von 5 Milliarden Euro – hohen kolportieren Kaufpreis von 500 Millionen Euro. Die Bawag kann mit den 2,5 Millionen Kunden aus Deutschland ihren Stamm mehr als verdoppeln. Das Institut konnte sich nach Angaben aus Finanzkreisen auch gegenüber anderen, namhaften Bietern durchsetzen. „Die Bawag baut das Geschäft in Europa seit einigen Jahren durch Zukäufe aus, entsprechend macht der Deal hier sicherlich Sinn, um im wichtigen deutschen Markt die Präsenz zu erhöhen“, sagt Lefeld. Er schätzt den Deal für die Bawag als strategisch sinnvoll ein, da es sich um ein skalierbares Geschäftsmodell handele.

Bawag war früher eine Gewerkschaftsbank und wurde in Folge des Zusammenbruchs im Rahmen der Finanzkrise im Jahr 2007 vom Hedgefonds Cerberus übernommen, der Jahre später wieder ausstieg. Heute ist das Institut mehrheitlich in Streubesitz. Zwar kauft die Bank seit Jahren zu, doch einen Ausverkauf gab es bei zahlreichen Beteiligungen – von der Schuhhandelskette Stiefelkönig über die Klaviermanufaktur Bösendorfer bis zum Glücksspielkonzern Lotterien. Strategisch ist die Bank heute hauptsächlich auf Österreich und Westeuropa ausgerichtet. Aus der Region Osteuropa ist sie ausgestiegen. Bawag hat im vergangenen Jahr ein Drittel mehr Gewinn in Höhe von 683 Millionen Euro bilanziert.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/barclayscard-verschwindet-2-5-millionen-kunden-betroffen-19833348.html