HQ Trust takes income from some tech shares | EUROtoday

Get real time updates directly on you device, subscribe now.

Satte 32 Prozent stehen die 100 wichtigsten Aktien der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gerade gemessen an dem Nasdaq-100-Index im Wert höher als vor einem Jahr. Nicht nur Nvidia , auch zum Beispiel Meta (Facebook), Alphabet (Google) und Amazon sind sogar mehr als 50 Prozent im Aktienkurs geklettert, während Standardaktienindizes wie Dax und Dow Jones nur 15 Prozent zugelegt haben.

Für Michael Heise, den erfahrenen Chefvolkswirt von HQ Trust , ist es ein Warnsignal, dass die gegenwärtige Aktienhausse auf so wenige Unternehmen konzentriert ist. Jetzt mit der Herde der Anleger noch auf den Zug aufzuspringen – davon hält Heise wenig. Er erwarte im zweiten Halbjahr nur noch ein „geringes Ertragspotential“ an den Märkten, sagte Heise in einem Pressegespräch.

Dort hat auch Christian Subbe seinen ersten Auftritt, als neuer Chief Investment Officer stieß er am 1. Juli von der Frankfurter Leben zu HQ Trust. Jetzt als Vermögensverwalter einiger vermögender Familien, darunter der Familie Quandt, nennt Subbe zunächst Gründe, warum es mit der Hausse der Technologieaktien doch noch weitergehen könnte, darunter diesen: 17 Monate dauere es derzeit im Durchschnitt, bis große US-Technologieunternehmen wie Microsoft die Gewinnerwartungen der Analysten erfüllten und eine faire Bewertung gemessen am Median des 12-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnisses erreichten.

Um das Jahr 2000, als die erste Internettechblase am Neuen Markt in Deutschland und an der US-Technologiebörse Nasdaq ihren Höhepunkt erreichte, habe es bei Microsoft 140 Monate gedauert, bis Gewinnerwartungen und Gewinne wieder im Lot waren, sagte Subbe. Manche damals hochgelobte Unternehmen überschritten ohnehin nie die Gewinnschwelle.

HQ Trust habe daher nur teilweise US-Technologieaktien verkauft und Gewinne mitgenommen. „Technologie“ ist im Aktienportfolio mit 24 Prozent immer noch der am höchsten gewichtete Sektor, ist aber kleiner als am US-Markt mit fast 30 Prozent. Ausbauen will HQ Trust den Anteil von Nebenwerten.

Diese Small and Mid Caps, wie sie im Börsenjargon genannt werden, seien eigentlich die stärker wachsenden Unternehmen und verdienten daher einen Bewertungsaufschlag. Dieser sei aber gesunken, weil die großen Unternehmen zuletzt stärker abgeschnitten hätten. „Es besteht Aufholpotential bei Small and Mid Caps, vor allem wenn sich die Zinskurve normalisiert und die Finanzierungskosten sinken“, sagt Subbe. Genau damit rechnet Volkswirt Heise: Am langen Ende erwartet er noch leicht steigende Zinsen, am kurzen Ende dagegen dürften die Leitzinssenkungen der Notenbanken durchschlagen.

Hier rechnet Heise mit einer Zinssenkung der EZB im September, aber nicht unbedingt mit weiteren, denn die Inflation in Europa könne sich als hartnäckig erweisen, warnt Heise vor diesem Risiko. Größeres Abwärtspotential sieht er bei den Zinsen für US-Anleihen – dort könnten die Renditen für zweijährige Staatsanleihen von derzeit 2,7 Prozent aus um bis zu einen vollen Prozentpunkt sinken.

Die langfristigen Zinsen hingegen seien weniger von der US-Notenbank Fed und ihren Zinssenkungen abhängig, sondern vom Finanzierungsbedarf der Staaten. Hier machte Heise auf eine interessante Tatsache aufmerksam: Die OECD-Staaten werden 2024 zur Deckung ihrer Schulden mehr neue Anleihen auf den Markt bringen als 2023. Anders als in den Vorjahren haben allerdings die meisten Notenbanken ihre Anleihekaufprogramme aus der Niedrigzinsphase weitgehend eingestellt. „Die Notenbanken kaufen nicht mehr“, sagt Heise, neue Anleihen müssten allein an private Anleger verkauft werden. Die aber verlangten Rendite.

Das ist ein Argument, warum Heise für die zehnjährigen Bundesanleihen einen Anstieg von 2,5 auf 2,8 Prozent erwartet – trotz Zinssenkungen der EZB. Und in den USA könnte sich die seit zwei Jahren inverse Zinskurve mit ungewöhnlicherweise höheren Zinsen am kurzen als am langen Ende umkehren.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/hq-trust-streicht-gewinne-bei-einigen-techaktien-ein-19837413.html