Repression in Russia: Concerns about Vladimir Kara-Mursa | EUROtoday

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Die Sorgen um den inhaftierten russischen Regimegegner Wladimir Kara-Mursa wachsen. Am vergangenen Donnerstag wurde der 42 Jahre alte Moskauer aus einem Straflager im sibirischen Omsk, wo er festgehalten wird, nach Angaben seiner Frau in ein örtliches Krankenhaus der Strafvollzugsbehörde verlegt. Dies wurde den aus Moskau angereisten Anwälten Kara-Mursas laut dessen Ehefrau Jewgenija erst nach fünf Stunden Wartezeit mitgeteilt.

In dem Krankenhaus sei es den Anwälten dann am Donnerstagabend sowie den gesamten Freitag über mit wechselnden Begründungen verwehrt worden, Kara-Mursa zu sehen. Am Wochenende werden Anwälte grundsätzlich nicht zu ihren Mandanten gelassen.

Jewgenija Kara-Mursa erinnerte auf der Plattform X daran, dass ihr Mann nach zwei schweren Vergiftungen in den Jahren 2015 und 2017 an Polyneuropathie leidet, einer Nervenkrankheit, bei der die Informationsübertragung zwischen dem Gehirn und verschiedenen Körperteilen gestört ist. Sogar nach russischen Gesetzen dürfte Kara-Mursa aufgrund dieser Erkrankung nicht in Haft gehalten werden. Laut Recherchen des Investigativportals Bellingcat wurden auf Kara-Mursa vermutlich Anschläge von derselben Einheit des Geheimdiensts FSB verübt, die 2020 auch den mittlerweile in Haft umgekommenen Oppositionsführer Alexej Nawalnyj vergiftet habe.

Mitstreiter von Boris Nemzow

Kara-Mursa, ein Mitstreiter des 2015 ermordeten Oppositionellen Boris Nemzow, hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass der amerikanische Kongress 2012 den sogenannten Magnitsky Act beschloss, auf dessen Grundlage persönliche Sanktionen gegen russische Staatsdiener verhängt werden, denen Menschenrechtsverletzungen und Korruption nachgewiesen wurden.

Jewgenija Kara-Mursa lebt mit den drei gemeinsamen Kindern des Paares in den Vereinigten Staaten. Für Kara-Mursa, der neben der russischen auch die britische Staatsangehörigkeit besitzt, blieb das Exil seiner Familie aber die einzige Vorsichtsmaßnahme. Er kehrte aus dem Ausland immer wieder nach Russland zurück, denn „sobald ein Gegner draußen ist, verliert er seine moralische Autorität“, wie er der F.A.Z. einmal sagte.

Härtestes Urteil der jüngsten Repressionswelle

Im April 2022 wurde Kara-Mursa in Moskau festgenommen und ein Jahr später zu 25 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen „Staatsverrats“ und Verbreitung von „Falschnachrichten“ über die russische Armee. Dieses bisher härteste Urteil in Russlands aktueller Repressionswelle knüpfte an Auftritte Kara-Mursas im Westen an, bei denen er über russische Kriegsverbrechen, politische Verfolgung und Zensur gesprochen hatte. Etliche Russen, die jetzt an Kara-Mursas Verfolgung beteiligt waren, waren schon zuvor mit Strafmaßnahmen aufgrund des „Magnitsky Act“ belegt worden, sodass das Vorgehen wie eine Racheaktion wirkt.

In der Haft hat sich Kara-Mursas Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Die wenigen Bilder, die es von ihm gibt, zeigen ihn stark abgemagert. Telefongespräche mit seinen Kindern werden ihm verweigert. Anfang Mai wurde Kara-Mursa der renommierte amerikanische Pulitzerpreis verliehen, laut Ankündigung „für leidenschaftliche Kolumnen, die unter großem persönlichem Risiko aus seiner Gefängniszelle geschrieben wurden und vor den Folgen von Dissens in Wladimir Putins Russland warnten und auf eine demokratische Zukunft für sein Land bestanden“.

Im Juni teilte sein – selbst ins Ausland geflohener – Anwalt Wadim Prochorow mit, Kara-Mursa sei auf sechs Monate in eine winzige Einzelzelle eingewiesen worden, weil er für einige Sekunden die Hände nicht wie vorgeschrieben hinter dem Rücken gehalten habe. Unter anderem darf Kara-Mursa nach dem Aufstehen die Pritsche bis zum Abend nicht benutzen. Die Haftbedingungen, so Prochorow, entsprächen Folter und gefährdeten Kara-Mursas Gesundheit und Leben.

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/repression-in-russland-sorgen-um-wladimir-kara-mursa-19840212.html