Starting cash for inventory ETF? “Economic expert” needs to vary funding conduct | EUROtoday

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Frau Professor Malmendier, warum brauchen wir in Europa größere und tiefere Kapitalmärkte?

Die europäischen Volkswirtschaften sind seit Jahren wachstumsschwach. Wir müssen aus dieser Verlangsamung des Wachstumspotentials herauskommen. Das wird gelingen, wenn wir das Geld von vielen Unternehmen und Haushalten dahin bringen, wo viel gewagt und Neues ausprobiert wird. Das sind in der Regel junge Unternehmen, Start-ups etwa aus der IT-Branche oder der Gesundheitsbranche. Wenn wir in Europa in diesen Branchen vorn mitmischen wollen, brauchen wir tiefere Märkte, von Fremdkapital- über Aktien- bis hin zu Wagniskapital, wo sich Wachstumsunternehmen eindecken können.

Wenn in Europa über eine Vertiefung der Kapitalmärkte gesprochen wird, fällt oft zuerst das Thema Verbriefungen? Wie wichtig ist das für Sie?

Der Verbriefungsmarkt ist nicht wirklich relevant, wenn es darum geht, die Wachstumskräfte unserer Volkswirtschaften zu beleben. Verbriefungen erlauben Banken, ihre Kredite am Kapitalmarkt zu verkaufen. Gelingt das, können Banken dann neue Kredite vergeben. Das ist nicht unwichtig, es bringt uns aber nicht weiter, wenn wir in unseren Volkswirtschaften das Wachstumspotential und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit in Krisen stärken wollen. Für Wachstums- und Wagnisfinanzierung braucht man vor allem Eigenkapital, und für die volkswirtschaftliche Resilienz in Krisen viele Schultern, also viele Anleger auf Märkten, die die Risiken tragen. Die traditionellen Bankenkredite sind für risikoreiche Investitionen, die sich auf immaterielle Vermögenswerte wie Patente stützen, weniger geeignet.

Sie sind Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Gemeinsam mit den französischen „Wirtschaftsweisen“ vom Conseil d’analyse économique (CAE) stellen Sie an diesem Donnerstag einen Policy Brief vor, also eine Stellungnahme mit Empfehlungen an die europäischen Regierungen, wie die europäischen Kapitalmärkte zu stärken wären. Was sind Ihre Hauptpunkte?

Wir müssen die Kapitalmarktorientierung in Europa stärken. Im Vergleich zu den USA fehlen uns beispielsweise entsprechende Pensionskassen. Das muss sich ändern. Wir haben starke Versicherer, die ihr Kapital jedoch überwiegend in Anleihen anlegen und ihre gesetzlich möglichen Aktienquoten bei Weitem nicht ausschöpfen. Die Aktienquoten liegen derzeit bei rund 17 Prozent, das ist so niedrig wie die der US-Versicherer vor sechzig Jahren. Wir schlagen vor, die Anreize für Versicherer zu erhöhen, in Aktien zu investieren. Auch eine Harmonisierung des Insolvenzrechts in Europa ist für uns wichtig, damit Anleger, die etwa eine Beteiligung an Wind- oder Solarparks prüfen, in Frankreich und den Niederlanden zu denselben Konditionen kalkulieren können.

Und Sie wollen die ESMA, die europäische Kapitalmarktaufsicht in Paris, stärken. Führt das nicht zu mehr Bürokratie?

Die Gefahr besteht, wenn sich in der ESMA alle nationalen Aufsichtsbehörden mit eigenen Vertretern noch einmal wiederfinden. Dann verdoppelt sich schlicht die Bürokratie. Nein, an die ESMA müssen echte Kompetenzen abgetreten werden, damit sie zu einer schlagkräftigen und vertrauenswürdigen Kapitalmarktaufsicht werden kann.

Ist das eine Reaktion auf den Wirecard-Skandal, der dem Ruf des deutschen Kapitalmarktes geschadet hat?

Auch. Wir müssen tiefer an die Dinge herangehen, wenn wir die Einstellung der Menschen zu den Kapitalmärkten ändern wollen. Das ist mein Hauptpunkt. Man kann an Stellschrauben drehen wie den Anreizen für Versicherer, mehr in Aktien zu investieren. Aber am Ende geht es darum, der Bevölkerung den Kapitalmarkt näher zu bringen.

Hier hat die Generation der heute 50-Jährigen viele Enttäuschungen erlebt: die Volksaktie Telekom, die Riester-Rente, den Neuen Markt, die Finanzkrise, die Niedrigzinsphase . . .

Eben. In den USA haben wir untersucht, wie lange die Erfahrungen der Großen Depression in den 1920er- und 1930er- Jahren das Verhalten beeinflussen. Und natürlich stecken auch die jüngeren Erfahrungen in uns allen. Nehmen wir Riester: Das war einfach schlecht gemacht, es wurde zu viel auf Garantien und zu wenig auf Rendite gesetzt. Nicht die Anleger haben profitiert, sondern hauptsächlich die Versicherer über die Provisionen. Diese negativen Erfahrungen müssen die Menschen verarbeiten und abstreifen. Und wir sind als Fachleute jetzt gefordert, Investitionen am Kapitalmarkt über diversifizierte Standardprodukte für die privaten Haushalte einfach und besser zu machen.

Wir deutschen und französischen Ökonomen schlagen EU-finanzierte Anlagekonten für Kinder vor. Dort könnten zum Beispiel monatlich 10 Euro je Kind eingezahlt werden, Eltern könnten diese Konten freiwillig mit etwa dem Kindergeld aufstocken.

So etwas Ähnliches wurde 2017 in Israel eingeführt. Was bringt das?

Kinder sehen frühzeitig und über Finanzzyklen hinweg, wie ihr Geld wächst. Wichtig wäre, dass das Geld nicht auf den Konten herumliegt, sondern in einen einfachen, kostengünstigen Fonds, etwa einen internationalen Aktienindex, investiert wird.

Und mit diesem Fonds betreiben wir dann Industriepolitik, indem wir in Europa nach einem „Plan“ in überwiegend „alte“ Branchen investieren?

Nein, auf keinen Fall. Es ist gerade auch meinen französischen Kollegen im CAE wichtig, dass dieses Investitionsvehikel ein langweiliges, international breit gestreutes und damit relativ risikoarmes Geldanlegen ermöglicht, mit dem wir die Menschen schon früh an die Kapitalmärkte heranführen und die Einstellung der Bevölkerung zur Geldanlage langfristig verändern. Und so auch die Spargelder der Leute zu den wachstumsstarken Unternehmen lenken, damit alle von einem stärkeren Wirtschaftswachstum profitieren.

From Aachen to Berkeley

Die 50 Jahre alte Finanzwirtschaftsprofessorin Ulrike Malmendier gehört seit September 2022 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. Die aktuellen fünf „Wirtschaftsweisen“ haben sich vorgenommen, Regierungspolitikern in „policy briefs“ schneller und kürzer als mit den lange üblichen jährlichen Gutachten Empfehlungen zu geben. Malmendier, die aus der europaaffinen Karlstadt Aachen stammt und seit mehr als 20 Jahren in Kalifornien lebt und lehrt, ist zudem die Zusammenarbeit mit französischen Ökonomen wichtig. Malmendier studierte zunächst Volkswirtschaftslehre und Jura an der Universität Bonn, wo sie in Jura auch promovierte. Eine zweite Promotion erwarb sie in Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University. Bis 2006 war sie Assistant Professor in Stanford, seither hat sie einen Lehrstuhl der Universität von Kalifornien in Berkeley. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Unternehmensfinanzierung und Verhaltensökonomik.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/startgeld-fuer-aktien-etf-wirtschaftsweise-will-anlage-verhalten-aendern-19847622.html