Iran: +++ Mehr als 3400 Demonstranten laut Aktivisten getötet +++ Liveticker | EUROtoday

Das autoritäre Regime im Iran steht unter Druck. Seit dem 28. Dezember 2025 finden die größten Massenproteste der letzten Jahre gegen die Regierung statt. Ausgehend vom Großen Basar in Teheran, wo vor allem die Misswirtschaft und die anhaltende Inflation zu Demonstrationen geführt hatte, entwickelte sich ein landesweiter Protest. In den vergangenen Tagen spitzte sich die Situation zu. Trotz Internetsperren und eingeschränkter Berichterstattung werden immer mehr Todesopfer unter den Demonstranten bekannt.

Alle Ereignisse rund um die Massenproteste im Iran im Liveticker:

18:01 Uhr – Aktivisten: Mehr als 3400 Demonstranten im Iran getötet

Beim gewaltsamen Vorgehen gegen die Proteste im Iran haben Sicherheitskräfte nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) bislang mindestens 3428 Demonstrantinnen und Demonstranten getötet. Die Zahl beruhe auf Angaben aus dem iranischen Gesundheits- und dem Bildungsministerium, erklärte die Gruppe mit Sitz in Norwegen. Mehr als 10.000 Menschen wurden laut IHR im Zuge der Massenproteste festgenommen.

17:53 Uhr – Insider: Diplomaten sondieren Hisbollah-Verhalten bei Angriff auf Iran

Diplomaten haben bei ‍der libanesischen Hisbollah-Miliz einem Insider zufolge um einen garantierten Verzicht auf ein Eingreifen für den Fall eines Angriffs auf den Iran ersucht. Die vom Iran unterstützte Gruppe habe zwar keine pauschale Zusage gemacht, sagt eine ⁠mit den Überlegungen ⁠der Hisbollah vertraute Person aus dem Libanon. Die Hisbollah aircraft jedoch kein Eingreifen, sofern ein Angriff auf den Iran für dessen Führung nicht „existenziell“ sei. Die Gruppe sei vergangene Woche auf diplomatischem Wege kontaktiert worden.

16:39 Uhr – Irans Außenminister: Israel will USA in Krieg ziehen

Irans Außenminister hat Israel vorgeworfen, die USA in einen Krieg hineinziehen zu wollen. „Israel hat schon immer versucht, die USA dazu zu bewegen, für sie Kriege zu führen. Aber bemerkenswerterweise sprechen sie diesmal offen darüber, was sonst verschwiegen wird“, schrieb Abbas Araghtschi auf der Plattform X in Reaktion auf einen Beitrag eines israelischen Journalisten, der über eine angebliche ausländische Bewaffnung der Demonstranten im Iran berichtet hatte. „Präsident Trump sollte nun genau wissen, wo er ansetzen muss, um die Tötungen zu beenden“, schrieb der Minister weiter. Der israelische Sender Channel 14, der dem rechtsnationalen Lager zugerechnet wird, berichtete am Dienstag über eine angebliche Bewaffnung der Demonstranten im Iran durch „ausländische Elemente“. Nähere Details nannte der Bericht nicht.

16:17 Uhr – Irans Justiz stellt Demonstranten unter Generalverdacht

Irans Justizminister hat alle Teilnehmer der Demonstrationen seit Donnerstag unter Generalverdacht gestellt. „Jeder, der in diesem Zeitraum festgenommen wurde, ist definitiv schuldig, weil er vor Ort warfare“, sagte Amin-Hussein Rahimi am Rande einer Kabinettssitzung. Der Minister kündigte ein hartes Vorgehen der Justiz an. „Mit denjenigen, die an Zerstörungen und Tötungen beteiligt waren, additionally mit terroristischen Akteuren, gibt es keinerlei Nachsicht“, sagte Rahimi. Auch wer lediglich an den Protesten teilgenommen habe, sei schuldig, fügte er hinzu. Allein die Teilnahme sei eine Straftat, da sie auf einen „illegalen“ Aufruf zurückgehe.

15:30 Uhr – USA ziehen Personal aus Militärstützpunkt in Katar ab

Inmitten der verschärften Lage im Iran ziehen die USA ihr Personal teilweise aus dem wichtigsten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten ab. Einige Mitarbeiter seien angewiesen worden, den US-Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid im Golfemirat Katar bis Mittwochabend zu verlassen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen. Demnach werden im Fall eines militärischen Eingreifens der USA Vergeltungsangriffe des Iran befürchtet. Katar bestätigte, dass ein Teil des Personals wegen „regionaler Spannungen“ den Stützpunkt verlässt.

US-Präsident Donald Trump drohte der Islamischen Republik im Falle der Hinrichtung festgenommener Demonstranten mit einer scharfen Reaktion. Den protestierenden Menschen im Iran hatte er zuvor Unterstützung zugesichert und Gespräche mit Teheran vorerst für beendet erklärt. „Ich habe alle Treffen mit iranischen Vertretern abgesagt, bis das sinnlose Töten von Demonstranten aufhört“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Montag gesagt, die Islamische Republik strebe „keinen Krieg“ an, sei aber „bestens darauf vorbereitet“.

15:00 Uhr – Weber: EU-Botschaften in Teheran sollen als Schutzräume für Demonstranten öffnen

Angesichts des brutalen Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte gegen Protestierende hat sich der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP) Manfred Weber für Schutzräume in den Botschaften von EU-Ländern ausgesprochen. „Lasst uns alle Botschaften von EU-Ländern im Iran als Schutzräume öffnen, damit die friedlichen Demonstranten dort Zuflucht finden können“, sagte Weber am Mittwoch der „Bild“-Zeitung.

„Die tödliche Gewalt des Mullah-Regimes gegen friedliche Demonstranten ist durch nichts zu rechtfertigen“, fuhr er fort. „Die mutige Opposition im Iran hat unsere volle Unterstützung verdient.“ Nicht alle 27 EU-Länder haben eine Botschaft im Iran. Die deutsche Botschaft in Teheran arbeitet nach Angaben des Auswärtigen Amtes seit dem vergangenen Sommer in eingeschränktem Umfang und kann auch deutschen Staatsbürgern „derzeit nur eingeschränkt konsularische Hilfe vor Ort leisten“.

14:46 Uhr – Dobrindt will keinen Abschiebestopp für Iran verhängen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will trotz der Lage im Iran keinen bundesweiten Abschiebestopp in das Land verhängen. „Wir haben ein großes Interesse daran in Deutschland, dass wir Straftäter abschieben“, sagte Dobrindt am Mittwoch im Bundestag bei einer Befragung der Bundesregierung. Deswegen sei er nicht bereit, einen Abschiebestopp zu verhängen. Da Abschiebungen in den Iran nur im Einvernehmen mit der dortigen Situation gelingen könnten, habe das in der Vergangenheit kaum stattgefunden und spiele deshalb auch kaum eine Rolle, erklärte der Minister.

Am Mittwoch hat das Bundesland Rheinland-Pfalz mit sofortiger Wirkung alle Abschiebungen in den Iran gestoppt. Die Landesregierung begründete ihre Entscheidung mit den jüngsten Gewalttaten des Regimes in Teheran gegen Demonstrierende. Der Abschiebestopp gilt zunächst für drei Monate, kann nach Angaben der Landesregierung aber verlängert werden. Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen fordern einen bundesweiten Abschiebestopp.

14:39 Uhr – Bundesregierung überprüft Handel mit Iran – Sanktionsdruck soll steigen

Die Bundesregierung will angesichts der Entwicklung im Iran und der Drohungen der USA überprüfen, ⁠welche Firmen noch mit dem Land Handel treiben. „Die Bundesregierung wird diese Handelsvolumina nochmal genauer anschauen“, ‍sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Mittwoch in Berlin. Man wolle sich anschauen, welche Güter betroffen seien. „Gleichzeitig findet diese Prüfung auch statt unter der Frage, inwieweit wir selbst durch wachsende Sanktionsmaßnahmen den Druck auch erhöhen können“, betonte er. Es liege noch kein abschließendes ⁠Ergebnis vor.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums ⁠sagte, dass das deutsch-iranische Handelsvolumen im Jahr 2024 noch 1,5 Milliarden Euro betragen habe. Bereits damals hatte der Iran als Handelspartner auf Platz 79 zwischen Kuwait und den Cayman-Inseln gelegen, „additionally sehr weit hinten“. Von Januar bis November 2025 sanken die Exporte in die Islamische Republik dann nach Angaben des Statistischen Bundesamts weiter ‍um 25,0 Prozent auf nur noch knapp 871 ‍Millionen Euro. Das entspricht einem Anteil von unter 0,1 Prozent an den gesamten deutschen Ausfuhren.

13:46 Uhr – Bundesinnenministerium lässt Haltung zu Abschiebungen in Iran offen

Das Bundesinnenministerium will keine Position zu dem von Rheinland-Pfalz ausgerufenen Abschiebestopp von Flüchtlingen ⁠nach Iran nehmen. ⁠Eine Sprecherin verweist darauf, dass die Länder für Abschiebungen zuständig seien.

13:45 Uhr – Irans Führung mobilisiert Anhänger für Trauerzüge

Irans politische Führung hat ihre Anhänger in der Hauptstadt und Millionenmetropole Teheran mobilisiert. Aufnahmen des staatlichen Rundfunks zeigten Menschenmengen auf den Straßen, die an Trauerzügen für getötete Sicherheitskräfte teilnahmen, die bei den landesweiten Unruhen ums Leben gekommen waren.

Der Vorsitzende des Stadtrats, Mehdi Tschamran, zeigte sich unerschrocken angesichts der Drohungen von US-Präsident Donald Trump. „Wir bleiben auf der Straße wegen der Botschaft der Märtyrer und unseres geliebten Führers“, sagte er. Trumps Drohung müsse mit Füßen getreten werden. Der US-Präsident hatte dem Iran mit einem sehr harten Eingreifen der USA gedroht, seine Drohung aber nicht weiter ausgeführt.

13:25 Uhr – Pro Asyl und Flüchtlingsrat NRW fordern sofortigen Abschiebestopp in den Iran

Angesichts der „dramatischen Menschenrechtslage“ im Iran fordert Pro Asyl einen sofortigen Abschiebestopp. „Wer im Iran für Freiheit eintritt, riskiert sein Leben“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp am Mittwoch in Frankfurt. Sinkende Schutzquoten in Deutschland seien „angesichts dieser Realität nicht haltbar“. Die Bundesländer müssten deshalb jetzt handeln und einen sofortigen Abschiebestopp erlassen. Das sei „rechtlich schnell möglich und moralisch geboten“, sagte Kopp.

Auch der nordrhein-westfälische Flüchtlingsrat fordert einen sofortigen Abschiebestopp in den Iran. Zudem fordert der Rat in Deutschland mehr Schutz für iranische Oppositionelle, Andersdenkende, Protestierende und Angehörige von Minderheiten. Deren systematische Verfolgung in ihrer Heimat müsse sich in Schutzentscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge widerspiegeln. Zudem müssten Exiliraner gegen Überwachung, Einschüchterung und Bedrohung durch das Regime auch im Ausland geschützt werden.

Die Proteste sind nach Ansicht des Rates Ausdruck eines langen Kampfes um Freiheit. Jede Generation sei unter dem Regime auf die Straße gegangen und jede sei mit Gewalt zum Schweigen gebracht worden. „Die internationale Gemeinschaft muss daraus endlich Konsequenzen ziehen. Menschenrechte sind nicht verhandelbar“, so der Flüchtlingsrat.

13:06 Uhr – Nach Protesten im Iran kehrt Normalität zurück

Nach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen im Iran kehrt in den Metropolen allmählich Normalität zurück. Zwar seien in der Stadt an vielen wichtigen Orten noch Polizisten und Sicherheitskräfte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmaß wie am vergangenen Wochenende, berichteten Einwohner der Hauptstadt und Millionenmetropole Teheran. „Vielleicht gibt es die Tage aber wieder Proteste“, sagte ein Mann.

Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Am Dienstag wurden einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben.

11:46 Uhr – Irans Justiz warnt vor „Zusammenarbeit“ mit Exilsender

Irans Justiz hat die Bevölkerung vor der Zusammenarbeit mit einem Exilsender gewarnt. Jegliche Zusammenarbeit, Interaktion und jeglicher Informationsaustausch mit dem persischsprachigen Sender „Iran International“ sei verboten, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft einem Bericht des iranischen Rundfunks zufolge.

Trotz einer Internetsperre können viele Menschen im Land den Sender über TV-Satelliten empfangen. Anders als die staatlichen Fernsehprogramme, die starker Zensur unterliegen, berichtet „Iran International“ ausführlich über die Protestwelle – auch mit vielen Hinweisen, die den Sender aus dem Land erreichen. Reporter vor Ort hat der Sender nicht. Im Iran selbst ist der Konzern hinter dem Exilsender als Terrororganisation eingestuft.

11:45 Uhr – Regisseure Panahi und Rasoulof: Keine Gespräche mit Teheran

Die iranischen Regisseure Mohammad Rasoulof und Jafar Panahi haben das Regime in Teheran scharf verurteilt und erklärt, mit der Islamischen Republik könne man nicht verhandeln. „Die Islamische Republik Iran ist ein faschistisches, mörderisches und brutales Regime“, teilten sie in einem Statement auf Instagram mit.

„In den letzten Tagen wurden Tausende Menschen auf den Straßen des Iran getötet“, schrieben sie weiter. „Diese Gewalt bedroht die ganze Welt. Mit diesem Regime kann man nicht verhandeln. Diese Gewalt muss ein Ende haben.“

Panahi schrieb zudem: „Dies ist keine isolierte Krise und auch nichts Neues. Das geschieht schon seit Jahren. Ein System, das auf Gewalt und Unterdrückung basiert, kann nicht durch Verhandlungen reformiert werden. Das hat die Geschichte deutlich gezeigt. Schweigen und Gleichgültigkeit lassen diese Verbrechen nur weitergehen. Sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren bedeutet, sich zu weigern wegzuschauen.“

Panahi gewann mit seinem jüngsten Film „Ein einfacher Unfall“ die Goldene Palme in Cannes und steht auf der Oscar-Shortlist für den Besten Internationalen Film. Er setzt sich darin mit Erlebnissen im Gefängnis und der Gewalt des iranischen Regimes auseinander. Während der Regisseur im Ausland seinen Film vorstellte, verhängte ein Revolutionsgericht in Teheran in Abwesenheit gegen ihn eine Haftstrafe.

11:06 Uhr – Regierungen im Nahen Osten raten USA von Eskalation mit Iran ab

Regierungen im Nahen Osten raten den USA von einem Eskalationskurs im Umgang mit der Gewalt gegen Demonstrierende im Iran ab. Ein in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ansässiger Diplomat aus der Region am Persischen Golf, der anonym bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, im Falle eines Krieges der USA mit der Islamischen Republik befürchte man „beispiellose Konsequenzen“.

Regierungen in der Nahostregion, darunter die der Türkei, Ägyptens, Saudi-Arabiens und Pakistans, stünden in permanentem Kontakt mit Washington, weil ein möglicher US-Angriff auf den Iran das Potenzial habe, zu einem umfassenden Krieg zu eskalieren. Ein solcher Krieg hätte „mit Sicherheit“ verheerende Folgen „nicht nur für den Nahen Osten, sondern auch für die Weltwirtschaft“, sagte der Diplomat.

11:05 Uhr – Männer reißen Flagge an iranischer Botschaft herunter

Zwei Männer haben auf dem Gelände der iranischen Botschaft in Berlin am Dienstagabend nach Polizeiangaben die Flagge vom Mast gerissen. Danach wollten sie zwei historische Fahnen des Landes aufhängen, was ihnen jedoch nicht gelang, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Männer im Alter von 28 und 33 Jahren verließen laut Polizei das Gelände erst, als der Objektschutz Pfefferspray einsetzte. Auf dem Gehweg wurden die beiden dann vorläufig festgenommen.

Nach den Angaben der Polizei in Berlin hatte sich bereits vor dem Vorfall an der Botschaft eine Gruppe von Menschen mit historischen Fahnen mehrmals dem Gebäude genähert. Kurz vor 23.00 Uhr hätten dann Menschen den Wachschutz abgelenkt, so dass die beiden Männer über den Zaun klettern konnten. Die Polizei erteilte nach eigenen Angaben sechs Beteiligten einen Platzverweis. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs sowie der Verletzung von Flaggen- und Hoheitszeichen ermittel, wie der Sprecher weiter sagte.

10:48 Uhr – Iran meldet Festnahme von Protestführern in Provinz

Der iranische Sicherheitsapparat hat die Festnahme mutmaßlicher Protestführer im Westen des Landes gemeldet. Einige „Hauptverantwortliche für die Unsicherheit“ in der Provinz Tschaharmahal und Bachtiari seien vom Geheimdienst der Revolutionsgarden gefasst worden, berichtete der staatliche Rundfunk.

In der Provinz warfare es zu Beginn der Proteste Ende Dezember zu den zunächst heftigsten Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden gekommen. Nachdem Sicherheitskräfte scharf auf Protestierende geschossen hatten, kam es in der Stadt Lordegan zu schweren Unruhen mit zahlreichen Todesopfern. Die strukturschwache Provinz gilt als Region mit starkem sozialem Zusammenhalt. Misstrauen gegenüber dem Staat und das harte Vorgehen ließen die Proteste hier früh eskalieren.

10:31 Uhr – Irans Außenminister telefoniert mit französischem Kollegen

Nach europäischer Kritik am gewaltsamen Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte gegen Demonstranten hat Irans Außenminister mit seinem französischen Kollegen telefoniert. In dem Gespräch mit Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot seien unter anderem die „Ereignisse der vergangenen Tage“ besprochen worden, schrieb Abbas Araghtschi auf seinem Telegram-Kanal.

Barrot hatte die blutige Niederschlagung der Massenproteste im Iran am Dienstag scharf verurteilt und den iranischen Botschafter einbestellt. Im Parlament sprach er von einem „Ruf nach Freiheit“ und einer „friedlichen Revolte“, die auf unerträgliche und unmenschliche Weise unterdrückt würden. Auch Deutschland und weitere europäische Länder hatten die iranischen Vertreter als Zeichen des Protests einbestellt.

Araghtschi verteidigte in dem Telefonat das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Ursprünglich friedliche Proteste seien durch „ausgebildete terroristische Elemente“ in Gewalt umschlugen. Er sprach von einer ausländischen Intervention im Iran.

10:24 Uhr – EU-Parlamentspräsidentin fordert Unterstützung für Regimesturz im Iran

EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola fordert von den Regierungen der EU-Staaten eine deutlich stärkere Unterstützung für die Proteste gegen die Staatsführung im Iran. „Wir sind der Meinung, dass 2026 das Jahr sein sollte, in dem Diktaturen enden“, sagte Metsola in einem Interview des Senders Euronews. Es sei nun an der Zeit zu sagen, dass das „Regime“ im Iran am Ende sei. Die EU könne sich für Freiheit einsetzen und Entschlossenheit, Stärke und auch Klarheit zu zeigen.

Metsola verwies darauf, dass sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz in diese Richtung geäußert hatte. Merz hatte gesagt: „Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen.“

Metsola selbst hatte bereits am Montag allen offiziellen Vertretern der Islamischen Republik Iran den Zutritt zu den Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments verboten. „Dieses Haus wird nicht an der Legitimierung eines Regimes mitwirken, das sich durch Folter, Unterdrückung und Mord an der Macht hält“, kündigte sie in sozialen Netzwerken an. Angesichts der aktuellen Lage könne es kein „Business as typical“ geben. Weitreichendere Sanktionen kann das Europäische Parlament nicht verhängen. Dies ist dem Rat der Mitgliedstaaten vorbehalten.

10:13 Uhr – Bericht: Proteste im Iran nehmen nach staatlicher Repression ab

Nach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen im Iran sind die Proteste einem Bericht zufolge deutlich abgeflacht. Am Dienstag wurden einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben.

Der Bericht wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der Internetsperre nur wenige Informationen nach außen gelangen. Am vergangenen Donnerstag zählte das CTP noch 156 Demonstrationen in 27 der 31 iranischen Provinzen. Die Autoren verwiesen zudem auf die hohe Zahl an Todesopfern bei den Unruhen, die sich allerdings nicht unabhängig verifizieren ließ. „Das Ausmaß an Brutalität könnte die Demonstrierenden entmutigen und die Häufigkeit der Protestaktivität verringern.“

Bewohnern der Hauptstadt Teheran warfare es am Dienstag nach mehreren Tagen erstmals wieder möglich, ins Ausland zu telefonieren. Sie beschrieben eine angespannte Ruhe in der Millionenmetropole. Die größten Massenproteste habe es demnach am vergangenen Donnerstag und Freitag gegeben. Der Sicherheitsapparat reagierte mit äußerster Gewalt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw sind seit Ausbruch der Proteste Ende Dezember mehr als 2.500 Menschen ums Leben gekommen.

09:12 Uhr –Justiz im Iran kündigt Schnellverfahren für festgenommene Demonstranten an

Die Justizbehörden im Iran wollen bei regierungskritischen Protesten festgenommene „Unruhestifter“ in Schnellverfahren verurteilen. „Wenn jemand jemanden verbrannt, enthauptet und angezündet hat, dann müssen wir unsere Arbeit schnell erledigen“, sagte Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei am Mittwoch im Staatsfernsehen. Iranische Nachrichtenagenturen zitierten ihn zudem mit der Äußerung, die Verfahren sollten als „öffentliche“ Schauprozesse abgehalten werden. US-Angaben zufolge ist eine erste Hinrichtung bereits für Mittwoch geplant.

Der Justizchef äußerte sich während eines Besuchs in einem Gefängnis in Teheran, in dem Protestierende inhaftiert sind. Medienberichten zufolge verbrachte Mohseni Edschei fünf Stunden in der Haftanstalt, um die Fälle zu prüfen. Aktivisten gehen von tausenden Festnahmen im Zusammenhang mit den Proteste im Iran aus. Sie befürchten zahlreiche Hinrichtungen. Die Staatsanwaltschaft in Teheran hatte zuvor angekündigt, gegen einige „Unruhestifter“ die Todesstrafe zu verhängen.

Dem US-Außenministerium zufolge wurden im Zuge der Proteste „mehr als 10.600 Demonstranten“ festgenommen. „Der 26-jährige Erfan Soltani, dessen Hinrichtung für den 14. Januar angesetzt ist, ist einer von ihnen“, erklärte das US-Außenministerium im Onlinedienst X. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte den Iran auf, „alle Hinrichtungen, einschließlich der von Erfan Soltani, unverzüglich auszusetzen“.

08:25 Uhr – Elon Musk stellt Iranern kostenlos Internet zur Verfügung

Terminals für das Satelliten-Internet von Starlink sind im Iran verboten. Dennoch sollen Zehntausende davon im Land sein. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk unterstützt die Iraner, indem es kostenlos Internet zur Verfügung stellt.

07:40 Uhr – „Regime geht mit beispielloser Brutalität gegen Proteste vor“, warnt das ISW

Die US-amerikanische Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) macht in einem X-Post auf den schonungslosen Umgang mit den protestierenden Menschen aufmerksam. „Das iranische Regime geht mit beispielloser Brutalität gegen die Proteste vor“, schreibt die Denkfabrik. „Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte deutlich höher liegen als die 1500 Toten der Proteste von 2019, obwohl CTP-ISW die Zahl der getöteten Demonstranten nicht unabhängig ermitteln kann.“

Das ISW gehe davon aus, dass die Proteste in größerem Umfang stattfänden, als es die Berichterstattung bislang suggeriere. Dem Regime sei es gelungen, den Informationsfluss aus dem Iran „massiv“ einzuschränken. „Höchstwahrscheinlich“ unterstütze auch Russland die iranische Regierung dabei, die Proteste zu unterdrücken und die Kontrolle aufrechtzuerhalten.

06:50 Uhr – Menschenrechtler: Totenzahl im Iran auf 2571 gestiegen

Die Zahl der ⁠bei den ⁠Protesten im Iran getöteten Menschen ist nach Angaben der Menschenrechtsgruppe HRANA auf 2571 gestiegen. 2403 der ums Leben Gekommenen ‍seien Demonstranten, 147 regierungsnahe Personen, ‍zwölf Minderjährige und neun ⁠unbeteiligte Zivilisten, teilt die Gruppe mit Sitz ‍in den USA mit. ⁠Ein ‌iranischer ‌Regierungsvertreter ‌hatte am Dienstag von etwa ​2000 Getöteten gesprochen.

05:03 Uhr – Erste Hinrichtung im Iran befürchtet – Trump droht Teheran

US-Präsident Donald Trump warnt die Staatsführung der Islamischen Republik vor der Hinrichtung von Teilnehmern der jüngsten Massenproteste. „Wir werden sehr hart reagieren“, sagte der Republikaner dem TV-Sender CBS News in Detroit. Näher führte Trump seine Drohung nicht aus. Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht gestellt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, dass bereits heute das erste Todesurteil vollstreckt werden könnte. „Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln“, sagte Trump.

Seit Beginn der Proteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik vor intestine zwei Wochen hatte Trump dem Iran schon mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet würden. Letzteren sagte er nun erneut Unterstützung zu. Hilfe sei unterwegs. Was er damit meinte, warfare aber unklar. Auf der Plattform Truth Social schrieb Trump: „Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!“.

Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen Trumps Regierung nach Informationen des US-Senders NBC News nahegelegt haben, vorerst von einem Angriff auf den Iran abzusehen. Sie seien der Ansicht, dass die Führung in Teheran möglicherweise noch nicht ausreichend geschwächt ist, um durch einen US-Angriff gestürzt zu werden, berichtete der Sender. Er berief sich auf einen amtierenden und einen ehemaligen US-Beamten, eine mit Israels Überlegungen vertraute Person sowie zwei arabische Regierungsvertreter.

dpa/rtr/AP/AFP/KNA/doli/säd

https://www.welt.de/politik/ausland/article696732d19f36d5bf769faf0f/iran-mehr-als-3400-demonstranten-laut-aktivisten-getoetet-liveticker.html